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Die Brötchentüten-Aktion gegen Gewalt an Frauen und Mädchen ist in diesem Jahr mit einem weiteren besonderen Aufruf verbunden, bei dem jeder und jede gefragt ist.

Nein gegen Gewalt - und ja zu starken Frauen

Infos zum Mitnehmen: Auf der Brötchentüte finden sich Ansprechpartnerinnen und Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen. Fotos: Heuer
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Infos zum Mitnehmen: Auf der Brötchentüte finden sich Ansprechpartnerinnen und Anlaufstellen für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen. Fotos: Heuer
WALSRODE - 23. November 2022 - 15:03 UHR - VON MäRIT HEUER

Etwa alle drei Tage tötet ein Mann eine Frau - in Deutschland. Oftmals handelt es sich bei den Tätern um Männer, die dem Opfer nahestehen, wie Partner oder Ex-Partner. Und auch abseits von Tötungsdelikten seien die Zahlen von Gewalt gegen Männer “verschwindend gering” gegenüber denen gegen Frauen und Mädchen, weiß Frauke Flöther vom Verein “Frauen helfen Frauen”. Seit mehr als 30 Jahren bieten sie und ihre Mitarbeiterinnen Frauen Schutz und Hilfe, wenn häusliche Gewalt droht - oder es bereits dazu gekommen ist. “Wir haben Glück, dass wir nur selten Schwerverletzte ins Frauenschutzhaus aufnehmen müssen”, sagt Flöther. Aber auch das komme vor. Besonders bitter: An der Tatsache, dass Frauen so häufig Opfer von Gewalt würden, habe sich über die Jahrzehnte hinweg quasi nichts geändert. “Sicher fühle ich mich nur in einer Gesellschaft, in der alle gleichberechtigt sind”, benennt Frauke Flöther das Problem.

Eine solche Gesellschaft, in der beide Geschlechter gleich stark sind, wünschen sich neben dem Verein “Frauen helfen Frauen” auch die Innungsbetriebe der Bäcker-Innung Lüneburger Heide und die Gleichstellungsbeauftragten im Landkreis Heidekreis. Um ein Zeichen zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen und Mädchen am 25. November zu setzen, haben sie auch in diesem Jahr die Aktion “Gewalt kommt nicht in die Tüte” initiiert - allerdings wieder exklusiv für den Heidekreis. Im vergangenen Jahr hatte es eine gemeinsame Aktion mit dem Landkreis Celle gegeben, “das war dann aber etwas unübersichtlich, weil so viele unterschiedliche Informationen auf die Tüte kamen”, begründet Priska Wethkamp die Entscheidung, sich lieber wieder ganz auf den Heidekreis zu konzentrieren.

Die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Walsrode präsentierte gemeinsam mit den anderen Beteiligten am Dienstag in der “Heimatliebe”-Filiale von Wolthers Brotkate das “ganz neue Design der Brötchentüten”, von denen ab sofort 20.000 Stück in 45 Verkaufsstellen der 13 Bäckereien im Heidekreis ausgegeben werden, um auf Gewalt gegen Frauen und Mädchen aufmerksam zu machen - und gleichzeitig niedrigschwellig Kontakte und Anlaufstellen für Betroffene zu vermitteln. Auch Flyer mit weiteren Informationen zum Thema liegen auf den Tresen der Filialen bereit.

Neben dem Nein zu Gewalt geht es in diesem Jahr aber auch um ein Ja für starke Frauen. Dazu hatte der Verein “Frauen helfen Frauen” einen Kreativwettbewerb unter dem Motto “Starke Frauen stärken Frauen” veranstaltet und Frauen dazu aufgerufen, mit kreativen Ideen in Wort, Bild, Plakaten oder mit einem kleinen Handy-Video zu zeigen, was sie selbst stark macht und andere ebenfalls stärken und selbstbewusst machen könnte. “Wir haben leider nicht annähernd so viele Einsendungen bekommen, wie wir uns erhofft haben”, bedauert Vereinsmitglied und Mitarbeiterin Anke Stamann die verhaltene Resonanz, “aber acht Teilnehmerinnen haben sich getraut.” Damit diese acht Beiträge auch wahrgenommen und sichtbar gemacht werden, sind nun alle Menschen im Heidekreis aufgerufen, für ihren favorisierten Beitrag abzustimmen. Das geht ganz einfach, indem man den QR-Code auf den Brötchentüten mit dem Smartphone scannt oder die Homepage www.frauen-helfen-frauen-ev.org/kreativwettbewerb/ besucht. Für die Beiträge mit den meisten Stimmen gibt es Preise, gewonnen haben aber alle schon allein durch ihre Teilnahme, sind sich die Initiatorinnen einig. Die Übergabe der Preise und die Vorstellung der Gewinnerinnen erfolgen am 4. Dezember und werden auf der Website von “Frauen helfen Frauen” veröffentlicht.

Öffentliche Sichtbarkeit kann der Verein nicht erst seit heute gut gebrauchen: Wie viele andere Organisationen kämpft auch er mit zunehmendem Nachwuchsmangel. Dabei ist “Frauen helfen Frauen” ebenso auf Mitgliederbeiträge und auf engagierte Frauen angewiesen wie auf Spenden. Von den aktuell 87 Mitgliedern gehörten schon einige zu älteren Jahrgängen - umso größer ist der Bedarf an Verstärkung durch junge Frauen, die mithelfen und anpacken möchten. Kontakt: Anke Stamann, (05161) 73300. Spendenkonto des Vereins “Frauen helfen Frauen”: IBAN DE54 2515 2375 0004 0763 03; BIC NOLADE21WAL; Kreissparkasse Walsrode.

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