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HKK-Bürgerentscheid: Beim Livetalk der WZ wird deutlich, dass wohl nur auf F4 ein neues Krankenhaus entstehen kann

Neues Heidekreis-Klinikum: “Wer zuerst kommt, mahlt zuerst”

Im Livetalk mit großem Zuspruch: In der Spitze mehr als 600 Menschen schauten sich die etwas andere WZ-Podiumsdiskussion an, mit mehr als 300 Kommentaren begleiteten sie die Veranstaltung. Fotos: Scheele/Hachmeister
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Im Livetalk mit großem Zuspruch: In der Spitze mehr als 600 Menschen schauten sich die etwas andere WZ-Podiumsdiskussion an, mit mehr als 300 Kommentaren begleiteten sie die Veranstaltung. Fotos: Scheele/Hachmeister
KRELINGEN - 15. April 2021 - 22:15 UHR - VON JENS REINBOLD

HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge, Landrat Manfred Ostermann, die CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper und ihr SPD-Kollege Sebastian Zinke diskutieren über den Bürgerentscheid am Sonntag - und sind sich dabei einig: Bei einem Ja wird wohl so schnell kein neues Krankenhaus im Heidekreis gebaut werden.

Der Streit um den zentralen Neubau des Heidekreis-Klinikums (HKK) ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Emotionen schwappten über, Fakten gerieten in den Hintergrund, vor allem aber stilisierten die Initiatoren des Bürgerbegehrens den Diskurs zu einer Machtfrage zwischen “Südkreis” und “Nordkreis” empor. Vor diesem Hintergrund war auch die Absage (nach zuvor erfolgter Zusage) der vier Initiatoren des Bürgerbegehrens zur WZ-Podiumsdiskussion vor dem am Sonntag stattfindenden Bürgerentscheid im Grunde auch keine Riesenüberraschung mehr - wenngleich der WZ eine solche Verweigerung zur Diskussion in dieser Form in 15 Jahren noch nicht widerfahren ist.

Steilvorlagen der Initiatoren

Am Donnerstagabend kamen in der Online-Veranstaltung zwar die Initiatoren wegen ihrer Absage nicht direkt zu Wort, aber sie leisteten “Steilvorlagen” für das WZ-Podium, das mit HKK-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge, Landrat Manfred Ostermann, der CDU-Landtagsabgeordneten Gudrun Pieper und ihrem SPD-Pendant Sebastian Zinke, der zugleich stellvertretender HKK-Aufsichtsratsvorsitzender ist, zwar nur noch “einseitig”, aber dafür nicht minder fachkundig besetzt war. Diese “Steilvorlagen” spielten die Initiatoren eher unfreiwillig zu - nämlich aus der Online-Diskussion der Böhme-Zeitung, die anderthalb Stunden zuvor begonnen hatte und die sich die Teilnehmer der WZ-Veranstaltung gemeinsam mit dem WZ-Team angeschaut hatten.

Dorfmark als Standort nicht umsetzbar

Aber WZ-Redaktionsleiter Rolf Hillmann hatte als Moderator der Veranstaltung im Geistlichen Rüstzentrum Krelingen, das die entsprechende Technik für einen zeitgemäßen Online-Livetalk zur Verfügung stellte, natürlich auch eigene Fragen parat. Etwa nach der Möglichkeit, dieses neue Krankenhaus in Dorfmark statt in Bad Fallingbostel errichten zu können. Landrat Ostermann nannte gleich mehrere Gründe, weshalb Dorfmark nicht umsetzbar sei. “Dorfmark setzt voraus, dass die Stadt Bad Fallingbostel durch Ratsbeschlüsse baurechtliche Voraussetzungen schafft”, erklärte er. Derzeit hat der Rat dies allerdings ausgeschlossen. “Da kann man noch so viele Bürgerentscheide durchführen, sie ersetzen nicht die Entscheidung des Rates”, so Ostermann. Zweites Ausschlusskriterium: Raumordnungstechnisch wäre Dorfmark anfechtbar, “weil im Grundzentrum Bad Fallingbostel eine geeignete Fläche zur Verfügung steht, Dorfmark hat keinerlei Funktion. Und dann ist Dorfmark nicht umsetzbar.”

Keine Manipulationen

Im Grunde, das erklärten die Diskutierenden unisono, gehe es auch nicht um ein paar Kilometer, sondern um den besten Standort. “Ich habe das Interesse, dass das Klinikum medizinisch und pflegerisch weiterentwickelt wird - und dafür braucht es einen idealen Standort”, erklärte Dr. Rogge. Dabei orientiere man sich eben an den Gutachten, “und da hat niemand manipulativ eingegriffen. F4 hat ein wirtschaftliches Potenzial - im Gegensatz zu den anderen möglichen Standorten.”

Und was ist mit den Marketingkosten?

Dr. Rogge ging auch auf die Ausgaben für die Marketingkampagne ein, die für ein “Nein” am Sonntag wirbt. “Das HKK hat schon lange ein Marketingbudget, das habe ich im Zuge von Einsparungen sogar zurückgefahren”, sagte der Geschäftsführer. “Wir bleiben im Budget, haben nur umgeschichtet.” Und auch Landrat Ostermann verteidigte die Kosten für die Ausgaben des Landkreises. “Ich bin vom Kreistag einstimmig dazu aufgefordert worden, mehr Öffentlichkeitsarbeit zu machen”, sagte er, dafür habe er 10.000 Euro in die Hand genommen, “um über den Bürgerentscheid zu informieren.”

“Vor der Lage bleiben”

Zum möglichen Zeitdruck mit einem Termin Ende September zur Abgabe der Antragsunterlagen im Sozialministerium nahmen die beiden Landtagsabgeordneten Stellung. “Unser Interesse muss sein, dass wir vor der Lage bleiben”, sagte Pieper - also vor den anderen Mitbewerben die Unterlagen einreichen, um Mittel aus dem Strukturfonds II auch relativ sicher erhalten zu können, denn “voraussichtlich im März 2022 wird schon über die ersten Vorhaben entschieden”. Und Zinke ergänzte: Der Staatssekretär hat mir gegenüber noch einmal bestätigt: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst.”

Herabstufung der Krankenhäuser?

Und wenn es in Folge des Bürgerentscheids zu keinem Klinikneubau komme? “Wenn wir uns jetzt nicht zügig auf den Weg machen, dann kann es passieren, dass unsere Krankenhäuser zu regionalen Versorgungszentren herabgestuft werden”, so Pieper. Der Krankenhausstatus wäre dann nicht mehr gegeben.

Ein anderer Punkt lag dem SPD-Kreisvorsitzenden Zinke noch am Herzen - und er hieb damit in Richtung der Bürgerbegehren-Initiatoren: “Am Ende haben wir entschieden, dass F4 das beste Grundstück ist.” Darüber könne man streiten, “aber dass man sagt, dass wir lügen, das ist nicht in Ordnung.”

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