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Lebensberatungsstelle in Walsrode registriert vermehrt Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen

Normalität als Geschenk zum Jahreswechsel?

Maske auf: Der neue Alltag belastet vor allem Kinder und Jugendliche, die ihren Eltern aber in dieser zeit nicht noch mehr Sorgen bereiten wollen, als die Familien durch Corona ohnehin schon haben - eine Zwickmühle.Foto: pixabay
Maske auf: Der neue Alltag belastet vor allem Kinder und Jugendliche, die ihren Eltern aber in dieser zeit nicht noch mehr Sorgen bereiten wollen, als die Familien durch Corona ohnehin schon haben - eine Zwickmühle.Foto: pixabay
WALSRODE - 26. Dezember 2020 - 10:00 UHR - VON REDAKTION

Derzeit registriert das Team der Lebensberatungsstelle in Walsrode im Rahmen der Erziehungs- und Lebensberatung eine zunehmende Unsicherheit bezüglich der von der Corona-Pandemie stark beeinflussten Stimmung in den Familien. Kinder ziehen sich vermehrt zurück oder wollen ihren Eltern “bloß keine Sorgen machen”. Viele Eltern wundern sich zudem darüber, dass - bei allen Auflagen - ihre Kinder plötzlich gerne zur Schule gehen wollen, auch wenn sie die komplette Zeit Masken tragen und Abstand halten müssen.

Aus Sicht der Experten ist das Verhalten der Kinder und Jugendlichen allzu verständlich. Derzeit belastet die Diskussion um Corona annähernd alle Bereiche des Lebens. Negative Auswirkungen sind unter anderem durch gesundheitliche, berufliche und finanzielle Ängste belastete Familiensysteme. So sehen sich Eltern nie vorhandenen Herausforderungen ausgesetzt. In Folge entwickeln ganze Familiensysteme Unsicherheiten bis hin zu Zukunftsängsten. Die Kinder wiederum spüren die Belastungen der Eltern, egal wie sehr diese sich bemühen, ihren Kindern den Alltag so unbeschwert wie möglich zu gestalten.

Aus Sicht von Michael Albers, Diplom-Psychologe und Leiter der Lebensberatung, entwickeln sie in Folge nicht selten ein unangemessenes Verantwortungsgefühl für das Wohl der Eltern. Daher rührt auch das zunehmende Bemühen, den Eltern keine zusätzlichen Sorgen zu bereiten. Diese Anstrengungen überfordern die Kinder teilweise sehr, was wiederum zu auffälligem Verhalten führen kann - und dann letztlich nicht zur Entlastung der Eltern beiträgt.

Der Wunsch, wieder regelmäßig in die Kita oder zur Schule zu gehen, hat sicherlich mit der Qualität der Kita oder Schule sowie den sozialen Kontakten zu den anderen Kindern und Mitschülern zu tun. Nicht zu unterschätzen ist jedoch auch der Effekt, dass Kita- und Schulbesuch ein Stück “Normalität” repräsentieren. Diese Normalität ist es, die den Menschen, gerade den Kindern, die so wichtige Lebenssicherheit bietet.

Dass Normalität innere Sicherheit schafft, gilt übrigens nicht nur für Kinder, sondern für alle Altersstufen, insbesondere auch für die Seniorinnen und Senioren. Hier bringt ein regelmäßiger Umgang mit der Familie nicht nur Zufriedenheit und Freude. Vielmehr wirkt der Kontakt der Angst der älteren Generation vor Vereinsamung entscheidend entgegen.

Wie daraus zu erkennen ist, scheint die Hauptverantwortung für die vorherrschende Stimmung in den Familien letztlich bei der mittleren Generation zu liegen, die nicht selten neben ihren eigenen Kindern auch ihre Eltern emotional stützt und versorgt … und wer versorgt sie? So schwer es zunächst auch erscheinen mag: “In diesen unnormalen Zeiten wäre für viele Menschen ein Stück Normalität genau das richtige Geschenk zum Jahreswechsel”, wünscht Michael Albers nicht nur den Klienten der Lebensberatung.

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