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Heidekreis-Klinikum startet Dialog-Reihe zum Thema Klinikneubau mit dem Schwerpunkt Notfallversorgung

“Notfallversorgung wird durch Neubau nicht geschwächt”

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WALSRODE - 04. März 2021 - 16:30 UHR - VON JOHANNA SCHEELE

Werden Patienten noch genauso gut notfallmedizinisch behandelt, wenn es statt zwei Notaufnahmen nur noch eine gibt? Gibt es im Notfall gar keine Versorgung in Walsrode und Soltau mehr? Rund um den geplanten Klinik-Neubau gibt es noch etliche Fragen, die sich Bürger und Bürgerinnen im Heidekreis stellen. In knapp sechs Wochen sind es eben jene, die beim Bürgerentscheid darüber bestimmen, wie es mit dem Heidekreis-Klinikum weitergeht. Und bis dahin sollen natürlich möglichst alle Fragen geklärt sein. Also nehmen sich Experten aus dem Krankenhaus und der Politik mittwochs ab 18.30 Uhr eine Stunde Zeit, um aufzuklären und einen Dialog zu ermöglichen - wenn auch nur über die Facebookkommentarspalte.

Am Mittwoch, 3. März, stand das Thema “Im Notfall schnell & sicher versorgt” im Mittelpunkt des Abends. Neben Klinik-Geschäftsführer Dr. Achim Rogge nahmen Dr. Benjamin Dorge als Ärztlicher Leiter des Rettungsdienstes für die Landkreise Harburg, Heidekreis und Rotenburg und der Leitende Arzt der Zentralen Notaufnahmen in Soltau und Walsrode, Klaus Hammer, auf dem Podium Platz.

Dr. Rogge erklärte, dass er bereits länger mit der Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts gerechnet habe. Die Klinikleitung habe sich darauf eingestellt. Die Vorbereitung war unschwer daran zu erkennen, dass bereits zwei Tage nach der Entscheidung des Gerichts ein bedrucktes Banner hinter den Männern hing, mit der Aufschrift: “Wer dafür ist, stimmt mit Nein im Bürgerentscheid.”

“Unrealistisch und nicht realisierbar”

“Die Fragestellung, die im Bürgerentscheid gestellt wird, heißt: ‚Sind Sie für ein neues Klinikum nördlich von Dorfmark?‘. Das ist unrealistisch und nicht realisierbar”, fand Dr. Rogge deutliche Worte. Deshalb positioniere sich die Klinik klar für ein “Nein” bei der Wahl. “Es geht hier nicht nur um einen Krankenhausneubau, sondern es geht hier um die komplette medizinische, ambulante, aber auch pflegerische Versorgung auf absehbare Zeit im Heidekreis.”Er hoffe, dass die Bürger und Bürgerinnen überzeugt würden, “rational ‚Nein‘ zu sagen.”

Schwierig wird es bei mehreren Verletzungen

Der Geschäftsführer der Klinik erklärte, wann sich bei Notfällen Probleme ergeben, wenn es zwei Standorte mit verschiedenen Fachdisziplinen gibt. Als Beispiel nannte er eine Schwangere, die in einen Autounfall verwickelt ist und danach ins Krankenhaus muss. Ihr gebrochenes Bein könne in Soltau behandelt werden, doch dort gebe es keine gynäkologische Station. Auch Polytraumata seien nicht selten. In einem solchen Fall erleidet die Person mehrere Verletzungen gleichzeitig an verschiedenen Körperregionen, die alle schnellstmöglich behandelt werden müssen.

Anforderungen für modernes Klinikum sind zu hoch

Einen der Standorte noch weiterzuentwickeln oder auszubauen, schloss Hammer aus. Der Facharzt für Anästhesie und Notfallmedizin erklärte, dass es physikalische Grenzen gebe, und im HKK sei ein Punkt erreicht worden, an dem es nicht weitergehe. Die Häuser könnten weiterentwickelt werden, um dort ambulante und stationäre Altenpflege anzubieten, erklärte Dr. Rogge.

Die Notfallversorgung werde laut Dr. Rogge vor Ort trotz Neubaus nicht geschwächt. Die Medizinischen Versorgungszentren in Walsrode und Soltau würden bleiben, ebenso wie der Kassenärztliche Bereitschaftsdienst. Hinzu komme der Rettungsdienst, der an mehreren Orten stationiert ist.

Sieben Rettungswachen im Heidekreis

Dr. Dorge erklärte, dass es in Bispingen, Munster, Soltau, Schneverdingen, Walsrode, Schwarmstedt und Rethem Rettungswachen gibt. Ziel sei es, dass nach Eingang des Notrufs innerhalb von 15 Minuten ein “Hilfsmittel” bei dem Verletzten eintrifft. “Die 15-Minuten-Frist wird bei uns im Heidekreis einigermaßen eingehalten”, erklärte Dr. Dorge. Auf Probleme werde reagiert, wie beispielsweise im Bereich Wietzendorf. Dort konnte die Frist nicht eingehalten werden. Seitdem gibt es dort tagsüber einen Rettungswagen.

Höhere Chancen auf den Facharzttitel

Besonders für Dr. Rogge und Hammer ist aber auch die Attraktivität für neue Fachkräfte ein wichtiger Punkt. “Die Währung junger Ärzte ist die Weiterbildung”, sagte Dr. Rogge. Hammer hielt es für sinnvoll, alle Stationen unter einem Dach zu bündeln. Weiterbildungen zum Facharzt seien teilweise so dezidiert, dass im HKK nicht das volle Spektrum abgedeckt werden könnte, erklärte Hammer. Wenn man als junge Person “schon aufs Land geht, dann doch wenigstens mit der Option: ‚Ich kriege auch meinen Facharzt zusammen‘.”

Weiter geht es am Mittwoch ab 18.30 Uhr mit der Diskussion zum Neubau - der Schwerpunkt liegt dann auf den politischen Hintergründen. Vor Ort sind neben Dr. Rogge auch Landrat Manfred Ostermann und CDU-Landtagsabgeordnete Gudrun Pieper.

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