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Wie sich eine Frau aus Simbabwe in Schneverdingen (fast) einen Kindheitstraum erfüllt hat - und anderen Menschen in ähnlichen Situationen Mut machen will.

Nothabo Nkomos Marathon in ein neues Leben

Sprachlos vor Freude: Birgit Mein, Petra Foth, die überraschte Nothabo Nkomo, Susanne Schulze und Sabine Sander (von links) nach der erfolgreich beendeten Ausbildung. Foto: VHS
Sprachlos vor Freude: Birgit Mein, Petra Foth, die überraschte Nothabo Nkomo, Susanne Schulze und Sabine Sander (von links) nach der erfolgreich beendeten Ausbildung. Foto: VHS
SCHNEVERDINGEN - 20. August 2021 - 12:36 UHR - VON REDAKTION

Die Überraschung ist gelungen: Sprachlos und ungläubig blickt die frisch gebackene examinierte Altenpflegerin Nothabo Nkomo in die Gesichter der zwei Frauen von der VHS Heidekreis. Strahlend und genauso ergriffen stehen ihr Birgit Mein und Susanne Schulze mit einem Blumenstrauß gegenüber. Heimlich wurde das Treffen mit Petra Foth, der Pflegedienstleitung des Vereins zur Pflege Hilfsbedürftiger in Schneverdingen organisiert. Der Grund ist ein ganz wunderbarer: Nothabo Nkomo hat ihre Ausbildung erfolgreich beendet und wurde als Mitarbeiterin in der ambulanten Pflege eingestellt. Was für eine Erfolgsgeschichte.

Leicht war der Weg allerdings nicht. “Ja, meine ganze Reise begann bei der VHS”, erinnert sich Nothabo Nkomo aus Simbabwe. Seit 2014 wohnt sie in Schneverdingen und hat sich immer um ihre Weiterentwicklung und Beschäftigung bemüht. So hatte sie seit ihrer Einreise, parallel zum Integrationskurs bei der VHS, in der Wäscherei und ehrenamtlich in der Altenpflege gearbeitet, um bei Land und Leuten in Deutschland anzukommen. Bereits zu dem Zeitpunkt hatte die ausgebildete Grundschullehrerin beim Verein zur Pflege um ein Praktikum nachgefragt. “Irgendwie verstand keiner, was ich wollte”, erinnert sie sich an ihre ersten Bemühungen. Die Sprache war das Problem. Das größte Problem bestand darin, nicht nur verstanden, sondern vor allen Dingen, als Mensch angenommen zu werden, wie sie selbst sagt. So ging der zähe Weg weiter über das Projekt TAF “Teilhabe für Flüchtlinge am Arbeitsmarkt”, über das Nothabo Nkomo in einen ESF-BAMF-Deutsch-Berufssprachkurs vermittelt wurde. Endlich klappte es dort auch mit einem Praktikum im pflegerischen Bereich.

In zahlreichen begleitenden, emotionsgeladenen, teilweise ernüchternden Gesprächen wurde der damals 40-jährigen Frau jedoch deutlich, dass der Wunsch nach einem Studium oder der sofortige Beginn einer Ausbildung nicht das nächste Ziel sein konnte. Wie konnte es dann weitergehen?

Schließlich half das breit aufgestellte Projekt- und Maßnahmeangebot der VHS Heidekreis weiter. Über die sozialpädagogische Begleitung durch Susanne Schulze im ESF-Projekt und in TAF wurde der Kontakt zum Pflegebereich der VHS hergestellt. Birgit Mein, verantwortlich für den Pflegebereich, motivierte Nothabo Nkomo zunächst, in einem sechsmonatigen Pflegehelferkurs Grundlagen zu erlernen. Wie sich herausstellen sollte, war das eine der besten Entscheidungen der Frau aus Simbabwe. Birgit Mein erinnert sich: “Nothabo bereicherte den Kurs mit ihren klugen Anmerkungen und forderte die Dozentinnen mit ihrem stetigen Hinterfragen von Sachverhalten.”

Zudem ergab es sich, dass der praktische Anteil des Kurses beim Verein für Pflege durchgeführt wurde. Dort fand die Lernbegeisterte, was für sie das Wichtigste war; sie fand Menschen, die sie so akzeptierten, wie sie ist. Auch anfängliche Befürchtungen, so Petra Foth, die Menschen könnten die Praktikantin nicht annehmen, waren vollkommen unbegründet. Wie wohltuend zu erleben, dass es nur wichtig ist, Mensch zu sein und, dass andere spüren, dass man es ehrlich meint: Damit erschien der Schritt, Nothabo Nkomo eine Ausbildung zur Altenpflegerin anzubieten, fast wie eine Formsache.

Die Fachanleiterin und Mentorin Sabine Sander betont: “Mir war schnell klar, dass das Fachliche nicht die Schwierigkeit darstellt”. Als Auszubildende fand Nothabo Nkomo Unterstützung und Anerkennung, etwa beim Lernen der Sprache oder in der Praxis. Selbst bei den kniffligen Führerscheinfragen, die zusätzlich während der Ausbildung gebüffelt wurden, halfen die Kolleginnen und Kollegen zum Bestehen der Prüfung.

“Das ist ein Musterbeispiel von gelungener Integration”, so Petra Foth, und darin sind sich alle Beteiligten einig. Die harte Arbeit, der “Marathon”, wie Nothabo Nkomo selbst sagt, hat sich gelohnt: “ich bin jetzt angekommen - beruflich und persönlich. Mein Kindheitstraum war, Krankenschwester zu werden. Das habe ich bisher noch kaum jemandem erzählt”. Noch wichtiger sei ihr aber, dass sie andere Mitmenschen motivieren möchte, dass es möglich sei, egal, wie die Situation ist, neu anzufangen.

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