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Aero-Club als Gastgeber: Oskar-Ursinus-Vereinigung feiert Jubiläum auf dem Flugplatz Hodenhagen / Besondere Einzelstücke

Pioniergeist und seltene Flugobjekte

Am Sonnabendvormittag waren trotz mäßigen Flugwetters bereits mehr als 30 Besucher mit ihren Flugzeugen nach Hodenhagen angereist. Dort konnten sie unter anderem auch Cricri, das kleinste zweimotorige Flugzeug der Welt mit Pilot und Erbauer Ingo Luz (oben), bestaunen. Wilfried Finger/Robert Kapper (2)
Am Sonnabendvormittag waren trotz mäßigen Flugwetters bereits mehr als 30 Besucher mit ihren Flugzeugen nach Hodenhagen angereist. Dort konnten sie unter anderem auch Cricri, das kleinste zweimotorige Flugzeug der Welt mit Pilot und Erbauer Ingo Luz (oben), bestaunen. Wilfried Finger/Robert Kapper (2)
HODENHAGEN - 26. Juni 2018 - 15:22 UHR - VON REDAKTION

Ein außergewöhnliches Pilotentreffen fand am vergangenen Wochenende auf dem Flugplatz Hodenhagen statt. Der Aero-Club war Ausrichter eines Jubiläums: Die Oskar-Ursinus-Vereinigung (OUV) feierte ihr 50-jähriges Bestehen. Der Namensgeber dieses Vereins, Oskar Ursinus, ist ein Ingenieur mit vielen Interessen gewesen. Besonders fasziniert hat er die Anfänge der Fliegerei beobachtet. In einer von ihm herausgegebenen Zeitung veröffentlichte Ursinus Bauanleitungen für Flugzeuge und versuchte so, Interessierte zum Bau ihrer eigenen Fluggeräte zu animieren. Die Vereinigung griff vor 50 Jahren diesen Pioniergeist auf und unterstützt seither Piloten und Konstrukteure dabei, ihren Traum vom eigenen Flugzeug zu verwirklichen. Die Ergebnisse sind meistens Einzelstücke, die eine gesonderte Verkehrszulassung der deutschen Behörden erhalten.

“Wir können. Wir dürfen. Wir machen!”: So lautete der markige Satz des Vizepräsidenten Detlef Claren, der am Wochenende die zahlreich erschienenen Teilnehmer begrüßte. Denn die OUV unterstützt ihre Mitglieder nicht nur durch einen langjährigen Erfahrungsschatz, sondern auch mit konkreter Hilfe durch Techniker, Ingenieure und Prüfer, die einen Flugzeugbauer vom ersten Bauschritt bis hin zur endgültigen Verkehrszulassung begleiten. In enger Zusammenarbeit mit dem Luftfahrtbundesamt und der europäischen Luftfahrtagentur EASA konnten so schon viele außergewöhnliche Eigenkonstruktionen das Licht des Himmels erblicken.

Der Aero-Club Hodenhagen war bereits zum zweiten Mal Gastgeber für die Oskar-Ursinus-Vereinigung. Am Sonnabend waren insgesamt ca. 60 Maschinen zu bestaunen. Fast alle kamen trotz der nicht optimalen Wetterbedingungen angeflogen. Nur zwei der Unikate wurden im Anhänger zum Flugtag transportiert. Auch viele interessierte Besucher fanden den Weg zum Flugplatzgelände. KFZ-Kennzeichen aus allen Teilen Deutschlands waren auf dem Aero-Club-Parkplatz zu sehen. Den Preis für die weiteste Anreise erhielt jedoch ein österreichischer Pilot, der aus Tulln bei Wien nach Hodenhagen geflogen kam. Auch mehrere schweizerische Maschinen waren zu bestaunen sowie einige niederländische Kennzeichen. Somit war sogar das europäische Ausland gut vertreten.

Viele Raritäten gaben sich ein Stelldichein. Ein Entenflügler stand in vorderster Reihe. Charakterisierendes Merkmal ist das Ruder ganz vorn am Rumpf. Pilot und Erbauer Detlef Claren hat an seiner Li1 ca. 5000 Stunden gebaut. Da die meisten Mitglieder der OUV hauptberuflich einer anderen Arbeit nachgehen und der Flugzeugbau ein reines Privatvergnügen ist, verteilt sich eine solche Arbeitszeit schnell auf viele Jahre. Im Fall von Claren waren es 13. Der Erstflug fand 1999 statt. Seitdem hat er mit seiner “Ente” gute 700 Flugstunden absolviert. Somit gibt es also nicht nur Enten auf den Straßen, sondern auch in der Luft. Aber der Vergleich mit der Auto-Ente hinkt. Denn die “Flugente” macht beachtliche 210 km/h Reisefluggeschwindigkeit und hat einen 120-PS-Käfermotor eingebaut, der eine Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h ermöglicht.

Eine weitere Seltenheit ist die Cricri, französisch für “Grille”. Namen fliegender Tiere werden in der Fliegerei gern und häufig genutzt. So gibt es Libellen, Störche, Mosquitos, Swifts, Kraniche, Tiger-Moths und noch so einiges andere, was am Himmel kreucht und fleucht und von Menschenhand geschaffen wurde. Die Cricri fällt auf jedem Flugtag sofort durch ihre “Größe” auf. Sie ist die kleinste zweimotorige Maschine der Welt und wird, obwohl sie ein Winzling ist, nicht übersehen. Fast würde man sie für ein Modellflugzeug halten, allerdings hat tatsächlich ein Pilot darin bequem Platz. Am vergangenen Wochenende landete Pilot Ingo Luz mit seiner Cricri in Hodenhagen begrüßen, der das Flugobjekt einst von einem Bastler übernommen hatte, der das Bauprojekt nach zehn Jahren halb fertig aufgab. Weitere fünf Jahre Bauzeit später machte Luz 2005 seinen Erstflug mit diesem Flugzeug. Seitdem ist er mit dieser Maschine bei vielen Flugtagen zu sehen. Die Zwergin der motorgetriebenen Luftfahrt ist robuster, als sie vielleicht aussieht. Theoretisch ist mit ihr sogar Kunstflug möglich.

Ein zweites Jubiläum wurde ebenfalls am Wochenende innerhalb der OUV begangen. Vor 25 Jahren war der deutschlandweite Erstflug eines Vans-Bausatzes des amerikanischen Herstellers Vans-Aircraft. Deshalb hatte der Aero-Club Hodenhagen das Glück, dass sich besonders viele dieser selbst gebauten Flugzeuge dort einfanden. Sie bekamen eine eigene Stellfläche zugewiesen, damit die Zuschauer die verschiedenen Typen dieses Herstellers kennenlernen konnten. So waren neben der beliebten Vans RV-4 auch RV-6, 7 und 8 zu bestaunen, alle im Selbstbau fertiggestellt. Neben diesen drei exemplarisch genannten Flugzeugen landeten beim Aero-Club Hodenhagen noch zahlreiche weitere Maschinen.

Die knapp 1000 Besucher, die sich trotz des recht verhangenen Himmels an diesem Wochenende auf dem Flugplatz Hodenhagen eingefunden hatten, konnten etliche Unikate und Besonderheiten bewundern, und es gab viele begeisterte Stimmen. Auch die ca. 50 Piloten, die die weite Anreise nicht gescheut hatten, waren mit dem Ablauf des Wochenendes und der Organisation sehr zufrieden.

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