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WZ-Auslandstagebuch: Carla Santelmann kehrt nach einem Monat “Europatour” wieder nach Deutschland zurück

Raus aus dem Sommer, rein in den Winter

Abseits der Touristenströme: Carla Santelmann hat Venedig vom Boot aus liebengelernt.Fotos: Carla Santelmann/red
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Abseits der Touristenströme: Carla Santelmann hat Venedig vom Boot aus liebengelernt.Fotos: Carla Santelmann/red
WALSRODE - 22. Oktober 2019 - 15:30 UHR - VON REDAKTION

Willkommen im ICE der Deutschen Bahn.” - irgendwie merkwürdig, wieder deutsche Ansagen im Zug zu hören. Ich bin mittlerweile auf dem Rückweg von meiner vierwöchigen Interrail-Reise, sitze im Zug nach Hannover und sehe die wolkenverhangene Landschaft Hessens an mir vorüberziehen.

Meine letzte Reisewoche startete mit der Fahrt von Südfrankreich nach Italien. Die Strecke führte direkt am Meer entlang, und ich hatte immer tolle Ausblicke auf Hafenanlagen, besondere Felsformationen oder Strände. Mein erstes Ziel in Italien war der Nationalpark “Cinque Terre”, ein Küstenabschnitt im Nordwesten des Landes. Entlang der steilen Küste schmiegen sich hier fünf malerische Fischerdörfer mit ihren bunten Häuschen in die Felsformationen hinein. Als ich im kleinen Ort Riomaggiore ankam, musste ich durch einen Tunnel gehen und dann mehrere in den Felsen gehauene Treppen bewältigen, um zum Hostel zu kommen. Zwei Tage verbrachte ich damit, von Ort zu Ort zu wandern oder mit dem Zug hin- und herzufahren. In die steilen Hänge wurden mit kleinen Mauern Terrassen eingebaut, und schmale Pfade führten zwischen Weinbergen hindurch und gaben immer wieder Blicke auf die bunten Küstendörfer frei. Nach den sehr anstrengenden Wanderungen (bei 25 Grad und knallendem Sonnenschein) belohnte ich mich mit einem Bad im Meer, frischgepressten Zitronenlimos und natürlich leckerem italienischen Essen.

Am nächsten Morgen brach ich nach Florenz auf. Die Hauptstadt der Toskana wollte ich schon immer mal sehen, und ich wurde auch nicht enttäuscht. Die prunkvoll verzierten Gebäude der “Wiege der Renaissance” waren wirklich sehr beeindruckend. Ich sah mir die Altstadt mit der berühmten “Ponte Vecchio” und der Marmor-Kathedrale an und besuchte die “Galeria degli Uffizi” mit ihren zahlreichen Gemälden, unter anderem von da Vinci, Michelangelo oder Botticelli.

Da mein Ticket nun nur noch fünf Tage gültig war, traf ich die Entscheidung, nicht mehr nach Süditalien zu fahren, sondern langsam den Weg nach Norden anzutreten, mit nächstem Stopp in Venedig. Bei meiner Ankunft wurde ich jedoch erst einmal “schock-gefrostet” - in Florenz waren es fast 25 Grad und in Venedig nur noch zwölf. Nachdem ich kurz die wichtigsten Sehenswürdigkeiten besichtigt hatte, wurden mir die Touristenmassen schnell zu viel, und ich verschwand in den schmalen Gassen abseits des Gedränges. Jetzt erst verfiel ich dem Charme dieser Stadt. Die kleinen Kanäle, Brücken und schönen Gebäude sind wirklich etwas ganz Besonderes. Auf einer Stadtführung erfuhr ich viel über die besondere Bauweise der Stadt und ihre Geschichte. Anstatt mit einer der überteuerten Gondeln zu fahren, kaufte ich mir ein Ticket für den “Wasser-Bus”, also Fähren, mit denen man wie mit einem Linienbus durch die ganze Stadt fahren kann. Ohne festes Ziel fuhr ich durch die Stadt und konnte abends einen atemberaubenden Sonnenuntergang vom Boot aus beobachten.

Aufgrund des Zeitmangels brach ich schon am nächsten Tag nach Triest im Nordosten Italiens auf. Die schöne Hafenstadt wirkt gar nicht mehr so südeuropäisch, was vielleicht daran liegt, dass sie einmal zu Österreich gehörte. Bis auf einige schöne Gebäude und einen riesigen Hafen gab es hier nicht so viel zu sehen - aber ich war natürlich auch wirklich verwöhnt von den vorherigen Orten. Meine nächste Station war Ljubljana, die Hauptstadt von Slowenien. Ich war sofort begeistert von dieser Stadt. Es gibt eine riesige Fußgängerzone, die Promenade am Fluss lädt zu einem Spaziergang ein und überall sind Cafés und stilvolle, kleine Läden. Auf einer Stadtführung erfuhr ich, dass die Innenstadt erst 2001 zur Fußgängerzone wurde, vorher führten dort mehrspurige Hauptverkehrsstraßen entlang. Um der Kritik der Anwohner entgegenzuwirken, wurde ein riesiges, unterirdisches Parkhaus gebaut. Kleine Elektro-Busse fahren durch die Stadt und transportieren die Menschen - kostenlos. Das nenne ich mal fortschrittlich. Abends nahm ich dann den Nachtzug nach Salzburg. Diesmal hatte ich keine Schlafkabine gebucht, aber ich fand drei Sitze nebeneinander, sodass ich mich trotzdem ein wenig ausstrecken und schlafen konnte.

Morgens um 7 Uhr kam ich dann in Salzburg an und fror total. Bei nur vier Grad war der Sommer für mich nun endgültig vorbei. Ich erkundete Mozarts Geburtsstadt und machte einen Herbstspaziergang zur Festung über der Stadt. Meinen letzten Tag verbrachte ich dann in Innsbruck in Tirol. Anfangs war ich etwas enttäuscht, da es bewölkt war und von den schneebedeckten Bergketten, die die Stadt einrahmen, nur wenig zu sehen war. Während ich die wunderschöne Altstadt besichtigte, klarte es aber immer weiter auf, und ich entschied mich, mit der Gondel bis auf den 2300 Meter hohen Hafelekar zu fahren. Ich war sprachlos. Nicht nur hatte man von dort einen absolut atemberaubenden Ausblick über das gesamte Tal, es lagen auch schon einige Zentimeter Schnee oben auf dem Berg. Kaum zu glauben, dass ich noch einige Tage zuvor in Italien im Meer geschwommen bin.

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