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Zu Gast in einer “Geisterstadt” / 2000 Menschen starben wegen schlechter Behandlung und Krankheit

Reservisten besuchten Pulverfabrik

Besuch in Eibia II: Mitglieder der Reservistenkameradschaft Fallingbostel-Walsrode vor einem Bunker.red
Besuch in Eibia II: Mitglieder der Reservistenkameradschaft Fallingbostel-Walsrode vor einem Bunker.red
DORFMARK - 27. März 2019 - 08:00 UHR - VON REDAKTION

Mitglieder der Reservistenkameradschaft (RK) Fallingbostel-Walsrode haben die zwölf Quadratkilometer große ehemalige Pulverfabrik Liebenau besucht. Zuvor hatte RK-Mitglied Kurt Benien, Idsingen, die Verbindung zwischen der RK und der Dokumentationsstelle “Pulverfabrik Liebenau” hergestellt. Historiker Martin Guse begrüßte die Gäste, wies auf die Gefahren beim Betreten der Anlage hin und klärte auf über die Geschichte der Einrichtung.

Danach führte Martin Guse die Reservisten und zahlreiche andere Teilnehmer dieser Exkursion mit Pkw durch die weitläufige “Geisterstadt” von Eibia II mit rund 400 Gebäuden. Eibia I Bomlitz und Eibia II waren zusammen im Dritten Reich die größten Pulverhersteller für die Wehrmacht. Detailliert berichtete der Historiker über die Entstehung sowie auch über die technische Ausrichtung des Werkes und zeigte an zwei begehbaren Bunkern auf, in welchen Dimensionen gebaut wurde. Ein weiterer Punkt bei der Führung war das Problem der Beschaffung von Arbeitskräften. “Je länger der Krieg dauerte, desto höher war der Bedarf an Arbeitern, einmal für die Errichtung der Anlage sowie auch für die Pulverproduktion. Dienstverpflichtete und Zwangsarbeiter reichten schließlich nicht mehr aus, sodass auch Kriegsgefangene eingestellt wurden,” hob Martin Guse hervor. Weiter führte der Historiker aus, dass im Laufe der Jahre 2000 Menschen wegen schlechter Behandlung, Krankheit und Mangelernährung verstorben sind.

Da die Gebäude der Pulverfabrik durch Kriegseinwirkung nicht zerstört wurden, konnten sie nach Ausbau der Fabrikationsanlagen aus Reparationsgründen wieder genutzt werden. So wurde Eibia II, Liebenau, in der Nachkriegszeit von der englischen Armee, der holländischen Armee, von der Bundeswehr sowie auch von mehreren Firmen, die Sprengstoffe, Munition und Waffen produzierten, genutzt. 1994 stellte die letzte Firma schließlich ihre Produktion ein.

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