Lokales

/lokales/rettung-fuer-den-kiebitz_10_112032435-21-.html/ / 1

Gleich neun Kiebitzbruten in der Meiße-Niederung können geschützt werden - dank Nabu und eines engagierten Landwirtes

Rettung für den Kiebitz

Dramatisch: Der Bestand des Kiebitz‘ ging von 293 Brut-/Revierpaaren (1991) auf 96 (2020) zurück.Foto: F.U. Schmidt
  • Bild 21
Dramatisch: Der Bestand des Kiebitz‘ ging von 293 Brut-/Revierpaaren (1991) auf 96 (2020) zurück.Foto: F.U. Schmidt
HODENHAGEN - 05. Juni 2021 - 18:00 UHR - VON REDAKTION

Als Charaktervogel offener Grünlandgebiete war der Kiebitz bis in die zweite Hälfte des vorigen Jahrhunderts in der Aller-Niederung ein verbreiteter Brutvogel, der vor allem extensiv genutzte Wiesen und Weiden sowie Überschwemmungsflächen besiedelte. Nach der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten kündigten seine akrobatischen Loopings, Sturz- und Steilflüge und die weithin hörbaren Rufe den nahenden Frühling an und machten den Gaukler der Lüfte zu einem Sympathieträger, der von der Landbevölkerung mit regionaltypischen Namen wie Kiwitt und Piewit belegt wurde.

Seither ist der Bestand im Heidekreis stark rückläufig, die Anzahl der Brut- und Revierpaare sank zwischen 1991 (293) und 2020 (96) um 67 Prozent. Als Hauptursachen für die dramatischen Bestandseinbrüche des unverwechselbaren Kulturfolgers mit der auffälligen Federholle gelten neben dem ungebremsten Flächenver-brauch und der Zerschneidung von Lebensräumen vor allem der Verlust geeigneter Bruthabitate durch Entwässerungs-, Ausbau- und Eindeichungsmaßnahmen sowie die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Das Brutgeschehen verlagerte sich in die Ackerlandschaft.

Doch auch dort drohen dem Bodenbrüter, der zumeist vier gut getarnte Eier in eine offene Nestmulde legt, Verluste durch Bodenbearbeitung oder Einsaat. Diese Gefahren waren glücklicherweise der Hodenhagenerin Nicole Lötsch bekannt, die sich auf einem Spaziergang hinter dem Flugplatz am Anblick mehrerer balzender Kiebitze erfreute und anschließend den NABU Heidekreis über ihre seltene Beobachtung informierte. Sie gab so den Anstoß zu einer gelungenen Kiebitzrettungsaktion, die von Florian Braun, Ansprechpartner des vierjährigen Projektes “Cash for Kiebitz”, koordiniert wurde.

Ziel dieses von der Fachgruppe Natur- und Landschaftsschutz des Landkreis Heidekreis geplanten und im Rahmen der Förderrichtlinie “Spezieller Arten- und Biotopschutz” durch das Land Niedersachsen geförderten Projektes ist es, gemeinsam mit Bewirtschaftenden die Brut- und Aufzuchtbedingungen der Feld- und Wiesenbrüter wie Kiebitz und Brachvogel durch spezielle Maßnahmen zu verbessern. Dieses auf Freiwilligkeit, finanziellem Ausgleich und einem Miteinander von Landnutzern und Naturschützern basierende Konzept fand bei dem Pächter der zwischen Weg und Meiße-Deich gelegenen Ackerfläche, Ulrich Wichmann, sofort Anklang.

Bei einem Vororttermin mit allen Beteiligten unterstrich der Vollerwerbslandwirt aus Rodewald seine Überzeugung, dass auch konventionell wirtschaftende Betriebe einen wichtigen Beitrag zum Arten- und Naturschutz leisten können. “Wir bewirtschaften den zehn Hektar großen Schlag seit 2007 mit einer vierjährigen Fruchtfolge und haben in der Woche nach Ostern Maissaat eingebracht”, erläuterte Wichmann sein Vorgehen und versprach, die Kiebitzgelege bei dem in Kürze anstehenden Pestizideinsatz zu umfahren und die Spritze auszusetzen. Damit der Schutz der Gelege reibungslos funktioniert, wurden sie von Florian Braun jeweils mit zwei Bambusstöcken markiert. “Leider ist es nicht mehr möglich, die Maßnahme mit Mitteln des ,Cash-for-Kiebitz‘-Projektes zu fördern”, bedauerte der Landnutzungsplaner und war umso mehr erfreut, dass sich der Naturschutzbund bereit erklärte, den Gelegeschutz entsprechend zu honorieren. “Wir wissen Herrn Wichmanns Einsatz für den Kiebitz sehr zu schätzen und hoffen, dass wir dem beliebten Charaktervogel auch im nächsten Jahr gemeinsam zum Bruterfolg verhelfen können”, betonte Nabu-Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.