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Mitarbeiter lassen schwerbehinderten Menschen einfach zurück - Sozialverband schaltet sich ein

Schon wieder kein Platz für Fahrgast mit “Rolli” im Erixx?

Kann die Geschichte immer noch nicht fassen, die er erlebt hat: Burckhardt Albert aus Hodenhagen wurde die Mitfahrt im Erixx gleich mehrfach an einem Tag untersagt.Foto: Klaus Müller
Kann die Geschichte immer noch nicht fassen, die er erlebt hat: Burckhardt Albert aus Hodenhagen wurde die Mitfahrt im Erixx gleich mehrfach an einem Tag untersagt.Foto: Klaus Müller
WALSRODE - 26. Januar 2021 - 15:55 UHR - VON REDAKTION

Wie schon vor einiger Zeit in Lindwedel, so haben sich Erixx-Mitarbeiter auch am Bahnhof in Walsrode geweigert, einen auf ein Elektro-Mobil angewiesenen Menschen mitzunehmen. Der Betroffene, Burckhardt Will aus Hodenhagen, erzählt von seinem Fall - und wie es ihm gelungen ist, am Ende doch noch nach Hause zu kommen.

Über das, was bereits am 9. Oktober mittags auf dem Walsroder Bahnhof passiert ist und sich dann noch den ganzen Tag bis in den Abend hinein hinzog, kann man nur den Kopf schütteln: Dem 63-jährigen schwerbehinderten Rollstuhlfahrer Burkhard Albert aus Hodenhagen wurde es an dem Tag gleich mehrmals verwehrt, mit seinem Elektrorolli den Nahverkehrszug Erixx zu nutzen. “Die haben mich einfach stehen gelassen. Für mich und meinen Rolli wäre kein Platz mehr”, erzählt Burkhardt Albert von seinem Fall. Ahldens Samtgemeindebürgermeister Carsten Niemann hat überhaupt kein Verständnis für dieses Verhalten der Bahn. An ihn hatte sich Albert gewandt. “So kann man mit Menschen nicht umgehen”, sagt auch Sozialverband-Kreisvorsitzender Jürgen Hestermann, der von der Samtgemeinde über den Vorfall informiert wurde. Der SoVD hatte erst gerade in Lindwedel einen ähnlichen Vorfall klären können (mehr dazu hier) und die unbedingte Zusage der Bahn erhalten, dass so etwas nicht wieder vorkommen wird.

Nach Schlaganfall auf Rolli angewiesen

Seit drei Jahren besitzt der 63-jährige Hodenhagener den Elektro-Rolli, hatte nach einem Schlaganfall das Gefährt nehmen müssen, “weil es mit dem Gehen gar nicht mehr klappt”. Seither hatte er nie Probleme mit der Bahn gehabt, wenn er freitags nach Walsrode zur Tafel gefahren ist. Doch dann kam der 9. Oktober, über den der immer noch verunsicherte Hodenhagener erst heute öffentlich spricht. “Hingekommen bin ich noch mit dem Erixx, aus Hodenhagen, ohne Probleme, aber zurückging gar nichts mehr”, sagt er. “Ich habe Ihnen doch gesagt, dass das mit dem großen Rollstuhl nicht klappt”, soll ein Erixx-Mitarbeiter gesagt haben, als Burkhardt Albert in den Zug einsteigen wollte. “Sie blockieren den Fluchtweg. Das geht nicht”, soll es weiter geheißen haben, obwohl kein anderer Rollstuhl im Zug transportiert wurde zu dem Zeitpunkt. “Ich bin in der Lage, bei einem solchen Notfall meinen Rolli schnell zu aktivieren und den Platz zu räumen”, habe Albert damals geantwortet. Aber das sei einfach ignoriert worden.

Und es sei noch weiter gegangen: So befand sich im nächsten Zug, der nach Hodenhagen fuhr, eine mit Handy ausgerüstete Zugbegleiterin, die dem Fahrgast ebenfalls den Zutritt verweigert hätte.

Am Ende half der Bürgerbus

So sei es bereits früher Abend gewesen, als der Hodenhagener den Entschluss fasste, die zweieinhalbstündige Tour nach Hodenhagen mit seinem Elektromobil anzugehen. “Hätte ich wohl nie geschafft, weil der Akku nicht reichen würde.” Aber Burckhardt Albert hatte Glück im Unglück: An einer Bushaltestelle traf er den Fahrer eines Bürgerbusses, der ihm einen Sprinter besorgte. Und der lieferte den Mann kurz nach 19 Uhr in seinem Heimatort ab. “Ich bin dem Bürgerbusfahrer so dankbar. Der wollte noch nicht einmal etwas dafür haben.” Was bleibt, ist nicht nur eine eigentlich unglaubliche Geschichte, in der ein schwerbehinderter Mensch nicht befördert wurde, sondern auch die Tatsache, dass der Hodenhagener verzichtet, wieder mit seinem Elektro-Rolli die Bahn zu nutzen. “Ich traue mir das einfach nicht mehr zu.”

Erixx-Pressesprecher gibt Sicherheitsgründe an

Annette Krämer, SoVD-Kreisfrauensprecherin, hat sich dieses Falls besonders angenommen. Sie rät allen Betroffenen, sich bei Fahrten mit einem elektrischen Rollstuhl oder anderen Mobilen bei der Bahn anzumelden. “Trotzdem halte ich dieses Verhalten von Erixx für absolut nicht nachvollziehbar.”

Erixx-Pressesprecher Björn Pamperin nimmt Stellung zu diesem Vorfall und erklärt, dass die Entscheidung der Mitarbeiter wohl aus Sicherheitsgründen gefallen sei, wie letztlich in Lindwedel auch. Man habe schon damals darauf hingewiesen, dass Elektro-Rollis ab einer bestimmten Größe im Zug nicht mehr mitgenommen werden dürfen. Er wundere sich, so Pamperin gegenüber dem Sozialverband, dass die Beschwerde des Hodenhageners erst jetzt komme. Die Vertreter des SoVD sind nicht wirklich zufrieden mit den Aussagen des Pressesprechers, zumal sich am Bahnsteig in Lindwedel bereits gezeigt habe, dass die dort betroffene Frau mit ihrem Rollstuhl durchaus transportiert werden konnte. Und nun sei es dennoch wieder passiert, dass ein Mensch mit Einschränkungen nicht mitgenommen worden ist.

Jedoch: Am vergangenen Freitag traute sich der Hodenhagener nun doch wieder, nach Walsrode zur Tafel zu fahren, meldete allerdings dieses Mal seine Fahrt vorher an. “Kein Problem”, sagte man ihm. “Und wie komme ich nach Hause?” Mit Erixx, hieß es vom Zugführer, man könne ihn doch nicht einfach am Gleis zurücklassen. Burckhardt Albert will nun weiterhin mit dem Zug fahren und schauen, ob es wirklich klappt.

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