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Das museales Kleinod in Klein Eilstorf soll wieder einem breiteren Publikum gezeigt werden

Schulmuseum im Dornröschenschlaf

Fast vergessen: Der ehemalige Ortsvorsteher Hans-Georg Röttjer und die Walsroder Schülerin Lilli Bruns im Gespräch (Bild oben). Sie besuchte im Rahmen eines Schulpraktikums bei der Stadt Walsrode das ehemalige Schulhaus in Klein Eilstorf. Foto: Thorsten Neubert-Preine
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Fast vergessen: Der ehemalige Ortsvorsteher Hans-Georg Röttjer und die Walsroder Schülerin Lilli Bruns im Gespräch (Bild oben). Sie besuchte im Rahmen eines Schulpraktikums bei der Stadt Walsrode das ehemalige Schulhaus in Klein Eilstorf. Foto: Thorsten Neubert-Preine
KLEIN EILSTORF - 06. Oktober 2020 - 05:00 UHR - VON REDAKTION

Mit Weinranken fast zugewachsen ist in Klein Eilstorf ein museales Kleinod zu finden. Das Schulmuseum am Ortsrand wurde im September 1995, also vor 25 Jahren eröffnet. Seither war das alte Schulhaus immer wieder Anziehungspunkt für große und kleine Gruppen. Doch seit einiger Zeit hat das Interesse deutlich nachgelassen, berichtet der ehemalige Ortsvorsteher Hans-Georg Röttjer bei einer Begehung von Vertretern der städtischen Abteilung Kultur und Sport. Das hat nicht nur mit der aktuellen Corona-Lage zu tun, sondern bei vielen Anbietern von Fahrten durch die Lüneburger Heide ist dieses Ausflugsziel zunehmend in Vergessenheit geraten.

In Spitzenzeiten 42 Kinder aufnehmen

Beim Betreten des Schulgartens fühlte sich die kleine Gruppe der Stadtverwaltung fast unweigerlich an das Märchen Dornröschen erinnert. Eine Hecke, so wie Bäume und Sträucher verwehren den uneingeschränkten Blick auf das verwunschene Gebäude. Doch so ruhig und friedlich war es hier nicht immer. Das kleine Schulhaus mit einem Unterrichtsraum musste in Spitzenzeiten 42 Kinder aufnehmen, sodass zeitweilig eine heillose Enge herrschte.

Lilli Bruns, die zur Zeit ein zweiwöchiges Schulpraktikum bei der Stadt Walsrode absolviert, versuchte sich vorzustellen, wie so viele Kinder in nur einem Raum unterrichtet werden konnten. Da es sich um eine einklassige Volksschule gehandelt hat, wurden zudem Kinder der Klassenstufe 1 bis 8 gleichzeitig beschult. So etwas wäre heute gar nicht mehr möglich, ist die 15-jährige Schülerin überzeugt. Die alten Schulmöbel mit der eingebauten Vorrichtung für das Tintenfass fand sie faszinierend, auch wenn sie sicher nicht besonders bequem waren. Die alten Schulranzen kamen ihr hingegen nicht sonderlich fremd vor, denn diese Art der Schultaschen erfreut sich wieder einer gewissen Beliebtheit.

Vor 120 Jahren Schulbetrieb aufgenommen

In Klein Eilstorf gab es seit 1852 ein Lehrerwohnhaus mit Schulstube. Doch im ausgehenden 19. Jahrhundert stieg die Kinderzahl immer mehr an, sodass mehr Platz notwendig wurde. Eine Erweiterung des alten Lehrerhauses war aber nicht möglich, daher entschloss sich die Dorfgemeinschaft, daneben einen separaten Neubau zu errichten. Vor 120 Jahren konnte der Schulbetrieb in der kleinen neuen Schule aufgenommen werden. Mit der Einführung des 9. Schuljahres und der Schaffung sogenannter Mittelpunktschulen Anfang der 1960er Jahre kam das Aus für die kleinen Dorfschulen. So schloss auch die Volksschule Klein Eilstorf im August 1963 für immer ihre Schultür.

Anfang der 1990er Jahre entstand die Idee, dass kleine Gebäude als Schulmuseum herzurichten. In etwa zweijähriger Arbeit gelang es, unter der Regie des damaligen Walsroder Heidemuseumsvereins der einstigen Landschule wieder ihren alten Charme zurückzugeben. Viele alte Schulmöbel und Ausstattungsgegenstände, wie sie in vielen Dorfschulen zu finden waren, wurden für das kleine Museum gestiftet. Auch etliche alte Schulunterlagen, wie Zeugnisbücher hatten sich in Klein Eilstorf erhalten und können in Vitrinen bewundert werden.

Besichtigung

Die Kulturabteilung möchte versuchen, auf die Kulturstätten der Stadt Walsrode wieder stärker aufmerksam zu machen. So soll nach Möglichkeit auch das Schulmuseum aus seinem Dornröschenschlaf geweckt und einem breiteren Publikum gezeigt werden. Größere Gruppen können das kleine Schulhaus aber erst nach der Überwindung der Corona-Pandemie wieder besichtigen.

Thorsten Neubert-Preine

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