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Ideale Bedingungen: Nabu zeichnet Bispinger Hof mit Plakette aus

Schwalben fühlen sich wohl bei Familie Reinsch

Sie nisten im Stall, in der Scheune oder auf dem Dachboden - Schwalben.
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Sie nisten im Stall, in der Scheune oder auf dem Dachboden - Schwalben.
BISPINGEN - 01. August 2019 - 20:00 UHR - VON REDAKTION

Sie gelten als Botschafter des Sommers, als Glücksbringer und Wetterpropheten und gehören ebenso zum Landleben wie der sprichwörtliche Spatz auf dem Dach: Rauchschwalben, die in rasanten Flugmanövern durch offene Stall- und Scheunentüren flitzen, und Mehlschwalben, die knapp über der Wasseroberfläche Insekten jagen oder zwitschernd auf Telefondrähten und Antennen sitzen. Doch was vor einem halben Jahrhundert eine Selbstverständlichkeit war, hat heute schon beinahe Seltenheitswert und ist dem Nabu daher eine Auszeichnung wert: Schwalbenfreundliche Menschen, die die eleganten Flugakrobaten alljährlich im April willkommen heißen, Haus und Hof für einige Monate mit ihnen teilen und die gefiederten Mitbewohner vielleicht sogar durch gezielte Maßnahmen wie das Anbringen künstlicher Nisthilfen oder das Anlegen von Lehmpfützen unterstützen.

Zu dieser Sorte Mensch gehören Renate und Hans-Günther Reinsch, deren idyllisch am Ortsrand von Bispingen gelegener Hof jüngst mit der Plakette “Schwalbenfreundliches Haus” ausgezeichnet wurde. “Für mich gehören Schwalben einfach zum Hofleben dazu”, betont der rührige Nebenerwerbslandwirt, als ihm Ingrid Häusler von der örtlichen Nabu-Gruppe die Plakette samt zugehöriger Urkunde überreicht. Gemeinsam mit seiner Frau Renate bewirtschaftet der Mittfünfziger den von Feuchtwiesen umgebenen Hof in fünfter Generation und hofft voller Zuversicht darauf, dass eines der drei Kinder in die elterlichen Fußstapfen treten und nicht nur Tiere halten, sondern in Zukunft auch eine große Vielfalt an Gemüsesorten anbauen wird.

Angesichts der unzähligen Schwalben, die bei ihrem Besuch um das Haus fliegen, können der erste Vorsitzende des Nabu im Heidekreis, Klaus Todtenhausen, und Ingrid Häusler kaum glauben, was sie von den Eheleuten erfahren. In den 1990ern hatte es eine Zeit gegeben, in der die Familie in jedem Frühjahr vergeblich auf die Rückkehr der zwitschernden Glücksbringer wartete. 2002 war es dann endlich so weit: Im Schweinestall baute das erste Paar Rauschwalben sein Nest, und seither zeugt eine stetig wachsende Anzahl an Brutpaaren von den idealen Bedingungen, die die Flugakrobaten auf der Hofstelle vorfinden. Inzwischen haben rund 20 Rauch- und neun Mehlschwalbenpaare den Schweine- oder den Hühnerstall, den Dachboden oder die Scheune als ihren persönlichen Lieblingsbrutplatz auserkoren und ihre kunstvoll aus feuchtem Lehm und Halmen gefertigten Nester auf Balken und Pfosten gesetzt oder an Wände und Vorsprünge geklebt. Dass der Boden unter den kugelförmigen Nestern mit Kot und Nistmaterialien übersät ist, stört niemanden auf dem Hof - die Kleckerei lässt sich im Herbst schnell mit dem Gartenschlauch beseitigen, sodass die Heimkehrer im kommenden Jahr einen sauberen Brutplatz vorfinden. Auch an Nahrung mangelt es den Schwalben nicht: Sie gehen auf den angrenzenden Weiden auf Insektenjagd.

In wenigen Wochen endet das Schwalbenjahr auf dem Hof Reinsch. Dann werden sich die Rauch- und Mehlschwalben zu großen Trupps zusammenschließen und auf die lange Reise in ihre Winterquartiere südlich der Sahara machen. Wenn sie im nächsten Frühjahr in ihre Brutgebiete zurückkehren, werden sie wieder eine Bleibe auf dem Hof an der Luhe finden und dann heißt es wieder: “Wenn die Schwalben ums Haus fliegen, zieht das Glück ein.”

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