Lokales

/lokales/sind-rabeneltern-wirklich-schlecht_10_112026663-21-.html/ / 1

Die Aufzucht des Nachwuchses unterscheidet sich bei Vögeln stark - nicht nur im Weltvogelpark

Sind Rabeneltern wirklich schlecht?

Viel fürsorglicher als ihr Ruf: Rund drei Wochen dauert die Brut bei den Kolkraben, danach wärmt das Weibchen die Küken. Foto: Weltvogelpark Walsrode
Viel fürsorglicher als ihr Ruf: Rund drei Wochen dauert die Brut bei den Kolkraben, danach wärmt das Weibchen die Küken. Foto: Weltvogelpark Walsrode
WALSRODE - 24. Mai 2021 - 10:00 UHR - VON REDAKTION

Mit mehr als 4000 Vögeln aus 650 Arten und von allen Kontinenten ist der Weltvogelpark in Walsrode nicht nur der größte Vogelpark der Welt, sondern beheimatet auch zahlreiche Arten mit komplett unterschiedlichem Sozialverhalten innerhalb der Familie. Da der Mai mit dem Mutter-, Vater- und Familientag ganz im Zeichen der Familie steht, lohnt sich ein Blick auf einige sehr fürsorgliche Vogeleltern, die auch im Weltvogelpark beheimatet sind.

Der Nashornvogel mauert

Manche Vogelmütter unternehmen zusammen mit ihren Partnern extreme Maßnahmen, um sich bei der Brut zu schützen und bestmöglich um den Nachwuchs kümmern zu können. So mauert sich zum Beispiel das Weibchen der Nashornvögel mit einer Mischung aus Nahrung, Holzteilen, Kot und Lehm in einer Baumhöhle ein, um sich vor Fressfeinden zu schützen. Nur ein kleines Loch lässt es offen, durch das es, und nach dem Schlupf auch die Küken, vom Männchen mit Nahrung versorgt wird.

Anders sieht es bei den heimischen Kuckucken aus. Das Kuckucksweibchen legt ein Ei in die Nester von anderen Singvögeln. Dabei wird sogar die Färbung des eigenen Eies an die Färbung der Eier der jeweiligen Wirtsart angepasst. Danach verlässt das Weibchen dieses Nest wieder und lässt ihr Junges von den fremden Singvogeleltern aufziehen. Kuckucksküken stoßen nach dem Schlüpfen die anderen Eier oder bereits geschlüpften Küken der Singvögel aus dem Nest, um die gesamte Aufmerksamkeit und Nahrung zu erhalten.

Auch die Männchen füttern den Nachwuchs

Bei den Kaiserpinguinen kümmern sich die Männchen hingegen höchstpersönlich und vorbildlich um ihre Nachkommen. Nachdem sie je ein Ei gelegt haben, verlassen die Weibchen der Kaiserpinguine die Kolonie und gehen für die nächsten zwei bis drei Monate auf Nahrungssuche. In der Zwischenzeit kümmern sich die Männchen um ihr Ei und brüten dieses aus - auf ihren Füßen. Dabei stehen sie dicht gedrängt in großen Gruppen beisammen, um sich vor der Kälte zu schützen.

Etwa 60 Tage dauert es, bis die Küken schlüpfen. In dieser Zeit verlässt das Männchen die Kolonie nicht und verliert rund ein Drittel seines Gewichts. Wenn der Nachwuchs schlüpft, bevor die Mutter zurückkehrt, produzieren die Männchen mit einer Milchdrüse ein Sekret für ihren Nachwuchs und füttern die Jungvögel, indem sie den milchigen Brei bei Bedarf hervorwürgen.

Bei den auch für den Menschen gefährlichen Kasuaren, die ebenfalls im Weltvogelpark Walsrode beheimatet sind, kümmert sich ausschließlich das Männchen um den Nachwuchs. Nach dem Legen der Eier verlässt das Weibchen das vom Männchen bereitete Nest und überlässt dem Männchen die Brut und Aufzucht. Die Brutzeit beträgt zwischen 49 und 56 Tage. Schon wenige Stunden nach dem Schlupf können die Jungtiere laufen. Für die nächsten neun Monate folgen sie ihrem Vater und lernen von diesem, sich selbstständig mit Nahrung zu versorgen.

Raben sind Nesthocker

Ein sehr unpassender Vergleich für schlechte Eltern ist der Begriff Rabeneltern. Denn anders, als es ihr Ruf vermuten lässt, sind Raben sehr fürsorgliche Eltern und kümmern sich aufopferungsvoll um ihren Nachwuchs. Bei den Kolkraben dauert die Brut rund drei Wochen. Danach wärmt die Mutter die Küken - ausgesprochene Nesthocker - für die nächsten Wochen, während das Männchen sowohl den Nachwuchs als auch das Weibchen mit Nahrung versorgt. Mit ungefähr sechs Wochen lernen die jungen Raben dann das Fliegen. Doch statt nun davonzuziehen, verbleiben sie weiterhin bei ihrer Familie. Die Eltern versorgen sie auch für die nächsten zwei bis drei Monate mit Nahrung und bringen ihnen in diesem Zeitraum bei, eigenständig nach Nahrung zu suchen.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.