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In den südlichen Kommunen des Heidekreises stimmen die Bürger für eine Fortsetzung der Planungen für ein neues Krankenaus in Bad Fallingbostel

Starkes Signal aus dem Süden des Kreises

Eine starke Seite: Der Mobilisierungsgrad der Nein-Fraktion war beeindruckend. Foto: Reinbold
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Eine starke Seite: Der Mobilisierungsgrad der Nein-Fraktion war beeindruckend. Foto: Reinbold
BAD FALLINGBOSTEL - 18. April 2021 - 23:06 UHR - VON JENS REINBOLD

Mehr als 95 Prozent der Menschen aus den sechs südlich gelegenen Heidekreis-Kommunen stimmten mit “Nein” - was vor allem daran lag, dass sich unheimlich viele Bürger in Initiativen für die Fortsetzungen der Planungen am Standort Bad Fallingbostel engagiert haben.

Es war noch keine 18.10 Uhr, als die ersten Ergebnisse des Bürgerentscheids auf den Bildschirmen im Kreishaus ausgewiesen wurden. Riepe: 116 Stimmen für Nein, sechs für Ja. Dann Hollige: 88 Nein, 0 Ja. Am Ende war es natürlich nicht mehr ganz so eindeutig, aber eines bleibt nach diesen ebenso nerven- wie kräftezehrenden Wochen rund ums Bürgerbegehren mit dem am Sonntag erfolgten Bürgerentscheid festzuhalten: Der Süden hat mit seiner Geschlossenheit für ein ziemlich klares Votum gesorgt; in keiner der sechs südlichen Kommunen kam die Ja-Fraktion auf fünf Prozent, das Nein dominierte alle Kommunen in beeindruckender Manier. Das hatte der Norden andersherum so nicht zu bieten.

Unsäglichen Nord- und Südkreis-Grenzziehungsdebatte

Ja, es ist müßig, aber man kommt bei der Betrachtung der Ergebnisse nicht an dieser unsäglichen Nord- und Südkreis-Grenzziehungsdebatte vorbei - die allerdings vonseiten der Bürgerbegehren-Initiatoren auch bis auf die Spitze forciert worden war. In weiten Teilen nämlich divergieren die Ergebnisse dieser Abstimmung an der früheren Kreisgrenze entlang: In Soltau machten die Menschen in überwältigender Einigkeit (85 Prozent) ihr Kreuz bei “Ja”, nur eine Kommune weiter - nämlich in Bad Fallingbostel - sah das andersherum aus: 95 Prozent Nein-Stimmen sind da sogar noch deutlicher.

Der Süden steht geschlossen da

Doch dann beginnen die Unterschiede: Während im Norden die Ja-Front außerhalb des “Bürgerbegehren-Epizentrums” Soltau bis auf Munster (knapp 90 Prozent) doch bröckelt, steht der Süden bis tief “runter” nach Schwarmstedt und Rethem mit jeweils über 98 Prozent für Nein geschlossen da. Das ist bemerkenswert und hängt in erster Linie mit dem enormen Mobilisierungsgrad zusammen. In nahezu allen Orten südlich der früheren Kreisgrenze fanden sich “Überzeugungstäter”, die größtenteils mit sehr viel Verve, aber dennoch aufgeräumt und gut organisiert für ihre Sache warben.

“Ich habe noch nie erlebt, dass Menschen so stark zusammenarbeiten”

In Schwarmstedt etwa waren es unter anderem die Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden, die als “Normalbürger” eine Bürgerinitiative gründeten - und zwar als Erste im südlichen Heidekreis. Und die Menschen folgten ihnen und ihren Argumenten. Allein in der Samtgemeinde Schwarmstedt, die in weiten Teilen weiter von einem Krankenhausstandort Bad Fallingbostel entfernt liegt als beispielsweise Soltau, waren es mehr als 50 Ehrenamtliche, die für das “Nein” warben. Samtgemeinde-Bürgermeister Björn Gehrs machte gar einen besonderen Geist der “Nein-Bewegung” aus. “Es ist klasse, dass sich so viele Menschen aufgemacht haben für ein gemeinsames Heidekreis-Klinikum”, sagte Gehrs, der schon einiges Kommunalpolitische erlebt hat und nun konstatiert: “Ich habe noch nie erlebt, dass Menschen so stark zusammenarbeiten.” Schwarmstedts Pastor Frank Richter war am Sonntagabend froh, “dass sich die Mühen gelohnt haben”, und Karin Mestwerdt glaubt, dass erst die Arbeit dieser Initiative dieses Ergebnis hervorbrachte: “Es gab zu Beginn der Diskussionen kaum Leserbriefe aus dem südlichen Teil, und im Gespräch mit Bekannten und Freunden habe ich festgestellt, dass viele nicht gut informiert sind”, erklärt die Schwarmstedterin, “da war mir klar, dass wir dringend was tun müssen.”

Eine anstrengende Zeit

So oder so ähnlich funktionierte es vielerorts diesseits von Jettebruch. “Was da ortsübergreifend quasi innerhalb weniger Stunden seitens der Bürgerschaft auf die Beine gestellt worden ist, war schon sensationell”, beschreibt es Michael Krohn als Mitstreiter der “Nein-Seite”, Lars Böttcher, einer der Initiatoren der Walsroder Bürgerinitiative, spricht allerdings auch von einer anstrengenden Zeit: “Knappe sechs Wochen Arbeit liegen hinter uns, in denen wir die uns selbst gesetzte Aufgabe, zu informieren, zu verbinden und zu begeistern durchgetragen haben.”

Bürgermeisterin Spöring überrascht

Bemerkenswert ist auch das Ergebnis in Walsrode: Da droht einer Stadt mit dem zentralen Neubau der Verlust des Krankenhauses, das fast 150 Jahre seinen Platz in der Innenstadt hatte - und nach kurzem Zaudern formierte sich partei- und vor allem auch gesellschaftsübergreifend eine breite F4-Phalanx. Das Ergebnis: überragende knapp 98 Prozent Nein-Stimmen. “Ich bin schon überrascht, dass wir in den südlichen Kommunen ein derart deutliches Ergebnis haben”, sagt Bürgermeisterin Helma Spöring, “es hat sich gelohnt, dass mit Fakten aufgeklärt worden ist.”

Thorey sieht “überwältigendes Abstimmungsergebnis”

Dass die Bürger in Bad Fallingbostel mit übergroßer Mehrheit mit Nein stimmten, ist da schon weniger überraschend. Und doch tat sich auch dort Bemerkenswertes. Etwa die gemeinsame Fahrradtour von Karin Fedderke (SPD) und Sabine Jung (CDU), die eindrucksvoll demonstrierten, wie sehr die Menschen zusammengerückt sind. Ein Lob kam deshalb auch von Karin Thorey, die sich nicht nur über das “überwältigende Abstimmungsergebnis” freute: “ Es tat gut zu sehen, wie sich verschiedene Bürgerinitiativen gegründet haben, um für den Standort F4 zu werben.”

Ein Hauch von Enthusiasmus

Das war auch beim gemeinsamen Lauf von mehr als 100 Menschen in der Samtgemeinde Ahlden zu spüren. Oder erst am Sonnabend, als Rethemer Politiker noch einmal fraktionsübergreifend im Stadtkern für ein “Nein” warben. Ein Hauch von Enthusiasmus waberte durch den südlichen Heidekreis. Und zwar nicht, um denen im Norden zu zeigen, wer stärker ist, sondern in der festen Überzeugung, dass für eine zukunftsfeste Gesundheitsversorgung im gesamten Heidekreis der Neubau in der Kreisstadt das Richtige ist.

Und ausgerechnet die Jugend hatte es vorgemacht. In beeindruckender Einigkeit versammelten sich die Jungpolitiker von CDU, SPD, Grünen und FDP hinter dem Nein. Sie zeigten dabei auch in zahlreichen Kommunen des Nordkreises Gesicht und warben an Ständen für die Weiterführung der Planungen an F4. Vermutlich ist es auch ihrem Wirken geschuldet, dass in so mancher Nordkreiskommune die “Nein”-Seite stärker war als vermutet.

Nein-Fraktion hat HKK-Standortdiskussion zu ihrem Thema gemacht

Eines könnte leicht in Vergessenheit geraten: Die Seite, die ein Bürgerbegehren mit anschließendem Bürgerentscheid auf den Weg bringt, hat es normalerweise leichter. Menschen, die gegen Beschlüsse der Politik aufbegehren, sind im Grunde leichter zu mobilisieren als jene, die dem eigentlichen Gang der Dinge ihr Vertrauen schenken. Dabei entstehen mitunter Bürgerentscheids-Mehrheiten, die nicht unbedingt den Willen der Gesamtbevölkerung widerspiegeln. Und genau da liegt die eigentliche Leistung der “Nein”-Seite: Sie haben die Zukunftsfrage des Heidekreis-Klinikums zu ihrem Thema gemacht, haben nicht nur reagiert, sondern auch agiert und vor allem auch in sozialen Medien für große Präsenz und breite Aufklärung gesorgt.

Die wichtigste Frage bezüglich des Heidekreis-Klinikums scheint nun geklärt. Eine andere bleibt offen: Wie und wann finden der Norden und der Süden des Landkreises wieder zusammen?

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