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Wer Wohnraum für die Ukrainer und Ukrainerinnen anbieten möchte, kann sich bei den Helfern am Bahnhof in Bad Fallingbostel melden.

Stündlich kommen Geflüchtete in Bad Fallingbostel an

Gerade sind drei Frauen aus der Ukraine ausgestiegen: Zu Stoßzeiten sitzen in jedem Zug aus Hannover rund 15 Personen, die untergebracht werden müssen. Mittlerweile ist eine gut ausgestattete Versorgungszentrale am Bahnhof entstanden. Foto: Scheele
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Gerade sind drei Frauen aus der Ukraine ausgestiegen: Zu Stoßzeiten sitzen in jedem Zug aus Hannover rund 15 Personen, die untergebracht werden müssen. Mittlerweile ist eine gut ausgestattete Versorgungszentrale am Bahnhof entstanden. Foto: Scheele
BAD FALLINGBOSTEL - 13. März 2022 - 15:53 UHR - VON JOHANNA SCHEELE

Zwei Männer postieren sich mit Schildern am Ausgang des Bad Fallingbosteler Bahnhofs. Darauf sind blau-gelbe Herzen, in Anlehnung an die ukrainische Flagge. Aus dem Zug kommen drei Frauen, eine von ihnen im Rollstuhl. Ein Mann aus Bad Fallingbostel spricht sie auf Ukrainisch an, zeigt ihnen, wo sie essen und trinken können. Unter den etlichen Helfern vor Ort beginnt sofort eine Diskussion. Wo können die drei Frauen untergebracht werden? Eine Ferienwohnung wird ins Spiel gebracht. Der Plan ist überzeugend, die Ukrainerinnen stimmen zu und sind wenige Minuten später auf dem Weg dorthin.

Nun doch nach Oerbke?

Hunderte Geflüchtete sind in den vergangenen Tagen am Bad Fallingbosteler Bahnhof angekommen. Ein Großteil von ihnen hat ein offizielles Dokument dabei, das sie in Berlin ausgehändigt bekommen haben. Darauf steht klar und deutlich, dass sie zur Landesaufnahmebehörde nach Oerbke sollen. Andere kommen mit der Info, dass sie sich in der Vogteistraße 19 melden sollen. Das ist die Adresse der Landkreisverwaltung, dort sind indes die meisten Mitarbeiter im Wochenende. “Als hätte niemand damit gerechnet, dass auch am Wochenende Geflüchtete kommen”, ist aus dem Helferkreis zu hören.

Erst am Donnerstag hatte Landrat Jens Grote bei einer Pressekonferenz klar gemacht, dass das Ankunftszentrum in Oerbke nicht für die Personen zuständig ist und sie nicht dort hingebracht werden sollen. Das steht im Gegensatz zu den Infos in den Dokumenten, die die Ukrainer und Ukrainerinnen mitbringen.

Melanie Ohlendorf, seit Tagen freiwillig am Bahnhof aktiv, wollte am Donnerstag Personen zum Camp bringen, so wie es auf den Papieren notiert war. Doch der Zugang wurde verweigert. Erst zwei Stunden und etliche Telefonate später war klar, die Geflüchteten dürfen doch rein.

Am Sonntagmittag findet eine regelrechte Krisensitzung am Bahnhof statt. Die Helfer und Helferinnen wünschen sich mehr Unterstützung, gerade wenn Montag die Ruhe des Wochenendes vorbei ist. “Wir brauchen einen Koordinator”, sagt Melanie Ohlendorf. Ebenfalls wichtig wären Toiletten vor Ort.

“Die Kinder schreien und weinen”

Auch SPD-Landtagsabgeordneter Sebastian Zinke und Bürgermeister Rolf Schneider (SPD) gesellen sich zur Runde. Auf die Frage, ob in Berlin weiterhin ein Kreuz für Oerbke gesetzt wird, sagt Schneider: “Die Zettel sind im Umlauf, kurz- und mittelfristig werden die Menschen also weiter hier ankommen.” In Gesprächen mit dem Land hätte er noch einmal klar gemacht, dass die Menschen nicht kommen, weil sie nach Bad Fallingbostel wollen, sondern auf dem Weg nach Oerbke sind.

Was passiert, wenn die Menschen in Oerbke ankommen, hat Björn Fischer erlebt. “Die Kinder schreien und weinen”, erzählt der Helfer. Der Anblick des langen Stacheldrahtzaunes sei furchterregend. Melanie Ohlendorf hat sogar miterlebt, wie eine Frau beim Anblick mit ihrer Hand eine Pistole geformt und gegen ihren Kopf gehalten hat. Wenn dann im Hintergrund noch Schießlärm vom Truppenübungsplatz zu hören ist, steige die Angst ins Unermessliche.

Mehr als 80 Geflüchtete am Freitag

Yil Welf Ohlendorf löst sich aus der Gruppe. Ein Paar ist zum Bahnhof gekommen, um Wohnraum anzubieten. Das hört der Bad Fallingbosteler allzu gern und nimmt sie in die WhatsApp-Gruppe der Freiwilligen auf. Wer ebenfalls Wohnraum übrig hat, kann sich am Bahnhof melden. Vor allem würden Wohnräume gebraucht, in denen Tiere erlaubt sind. Die sind im Ankunftszentrum zum Beispiel strikt untersagt. Neben Privathaushalten werden die ankommenden Menschen auch in Hotels gebracht. Das sei von den Ehrenamtlichen organisiert und dann von der Stadt abgesegnet worden.

Rolf Schneider spricht auch die Heidmark-Halle an. Auch die solle künftig als Unterkunft auf Zeit dienen. “Ich bin froh, wenn sie nicht gebraucht wird”, sagt Schneider. Doch auch das hilft den Menschen am Bahnhof am Sonntag noch nicht weiter. Donnerstag sind 80 Ukrainer und Ukrainerinnen angekommen. Am Freitag wurde die Zahl schon am Mittag geknackt. Am Wochenende wurde es ruhiger, dafür sei es deutlich schwieriger, Entscheidungsträger zu erreichen.

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