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Experten erzählen bei Vortrag in Bomlitz Erstaunliches über Europäische Seeadler und den Blick ins Nest

Überraschung im Adlerhorst

Blick ins Adlernest mittels Webcam. Foto: Arbeitsgemeinschaft Seeadlerschutz in Niedersachsen
Blick ins Adlernest mittels Webcam. Foto: Arbeitsgemeinschaft Seeadlerschutz in Niedersachsen
BOMLITZ - 06. Januar 2020 - 08:00 UHR - VON REDAKTION

Europäische Seeadler sind mit einem Gewicht von mehr als sechs Kilogramm und einer Spannbreite von 2,60 Metern beeindruckende Greifvögel. “Sie sind sogar größer als das USA-Wappentier Weißkopfseeadler, und seit wenigen Jahren breiten sie sich wieder in Niedersachsen aus.” Auf Einladung von Hans Scheele vom Kulturverein Forum Bomlitz waren die Experten Peter Görke und Joachim Schwarz von der Arbeitsgemeinschaft Seeadlerschutz in Niedersachsen (AAN) zu Gast in Bomlitz. Sie berichteten von Lebensbedingungen, der Entwicklung der Population und erstaunlichen Überraschungen, die sie bei ihrem Monitoring entdeckten.

Auf ein Minimum von drei Brutpaaren seien die Seeadler in Niedersachsen reduziert gewesen, “bis Natur- und Umweltschutzgesetzgebung eine Erholung und Trendumkehr ermöglichten”, erklärten die Experten den Zuhörern in Bomlitz. Mit dem Menschen haben sie einen bedrohlichen Gegner, der nicht nur die Lebensräume einschränke, sondern auch Nestlinge und Adlereier lukrativ verkaufe. Mittlerweile allerdings können Peter Görke und Joachim Schwarz von 74 Brutpaaren mit 71 Jungtieren in Niedersachsen berichten. Die AAN sichere dabei beispielsweise die Bäume, auf denen sich die bis zu 2,50 Meter breiten und 1,50 Meter hohen Adlerhorste befinden, und beringen die Jungtiere. Gelegentlich platzieren sie dabei eine Webcam, um in regelmäßigen Abständen Fotos zu machen und die Entwicklung der Jungtiere zu dokumentieren, ohne sie zu stören.

Dabei konnten sie 2016 Vorgänge beobachten, mit denen die beiden Experten in Fachkreisen für Aufsehen sorgten: Neben den Adlerjungen entdeckten sie lebende Bussardküken, die aus ihren elterlichen Horsten entführt worden waren. Eindeutig war, dass die Bussarde nicht in Gesellschaft mit den Adlern gebrütet hatten, sondern sie möglicherweise zu deren Beute geworden waren. Der Vorgang wiederholte sich noch im selben Jahr und wurde in 2017 ähnlich beobachtet. Was die Adler, die Beute gewöhnlich mit ihren riesigen Klauen sofort töten, dazu bringt, die Bussardküken lebend in ihren Horst zu bringen, wird vorläufig ein Geheimnis bleiben. Die Fotos seien eher Belege für eine Art Adoptionsverhalten als für Lebendfutterbevorratung.

Hochspannungsleitungen, Windräder, Vergiftungen durch Reste von bleihaltiger Jagdmunition oder Kollisionen mit der Bahn bleiben immer noch große Risiken für die Seeadler.

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