Lokales

/lokales/vernetzte-biotope-fuer-schlingnatter-und-eidechse_10_111999027-21-.html/ / 1

Ein etwa fünf Kilometer langer Korridor aus lichten Waldrändern soll geschaffen werden, um Vorkommen der gefährdeten Schlingnatter und der Zauneidechse miteinander zu vernetzen.

Vernetzte Biotope für Schlingnatter und Eidechse

Die heimische Schlingnatter lebt sehr versteckt: Wanderkorridore zwischen vereinzelten Lebensräumen sind für die gefährdete Schlangenart sehr wichtig. Foto: Richard Podloucky.
  • Bild 21
  • Bild 21
  • Bild 21
Die heimische Schlingnatter lebt sehr versteckt: Wanderkorridore zwischen vereinzelten Lebensräumen sind für die gefährdete Schlangenart sehr wichtig. Foto: Richard Podloucky.
SCHNEVERDINGEN - 09. März 2021 - 05:00 UHR - VON REDAKTION

Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz setzt die Maßnahme zusammen mit dem Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide und den Klosterforsten mit Hilfe lokaler Firmen um. Auch die Deutsche Bahn unterstützt das Vorhaben. Finanziert wird das EU-geförderte Integrierte LIFE-Projekt “Atlantische Sandlandschaften”.

Am Rand des Naturschutzgebiets Lüneburger Heide verläuft die Bahntrasse zwischen Handeloh und Schneverdingen. Dem Gleisbett soll nun eine weitere wichtige Funktion zukommen: Zusammen mit dem angrenzenden Wirtschaftsweg soll die Strecke eine wichtige Verbindungsachse zwischen mehreren isolierten Heidegebieten bilden, in denen die Schlingnatter (Coronella austriaca) nachgewiesen wurde. Die für den Menschen ungefährliche Schlangenart liebt lichte strukturreiche Waldränder und schlängelt sich hier gerne auf der Jagd nach kleinen Reptilien und Kleinsäugern entlang. Doch Nutzungsintensivierung und Aufforstung von Waldsäumen sind Faktoren, die den Lebensraum der Schlingnatter immer stärker bedrohen. Deshalb werden hier die dunklen Waldränder aktuell aufgelichtet. Der Korridor soll so konkret dabei helfen, wieder einen Austausch zwischen den kleineren Teilpopulationen herzustellen und den Lebensraum der Schlingnatter zu vergrößern.

Gestaltung der Waldränder in zwei Schritten

Durch die Vernetzung soll ebenso die Zauneidechse (Lacerta agilis) gefördert werden. Die Art tummelt sich nicht nur in der Heide, sondern vor allem entlang des Gleisbettes. “Hier findet sie ideale Versteckmöglichkeiten und Sonnenplätze”, erklärt Dirk Mertens vom Verein Naturschutzpark Lüneburger Heide (VNP). Somit kann der Korridor den beiden Reptilienarten und vielen anderen Arten nicht nur als Wanderkorridor, sondern auch als Lebensraum an sich dienen.

Nach Aussage von Constantin von Waldthausen, Leiter des Klosterkammerforstbetriebs, ist das Projekt hervorragend dazu geeignet, den Biotopverbund innerhalb von Waldflächen in der Lüneburger Heide zu verbessern. “Die Erhaltung und Vernetzung wertvoller Biotope ist ein wesentliches Element unseres betrieblichen Naturschutzkonzeptes, deshalb beteiligen wir uns gerne an dem Projekt”, so von Waldthausen.

Die lichte Gestaltung der Waldränder erfolgte hauptsächlich in zwei Schritten. Seit September 2020 bekämpfen zunächst Minibagger die invasive Spätblühende Traubenkirsche (Prunus serotina), die sich im Unterwuchs des Waldes ausgebreitet hat. Die einzelnen kleinen Bäumchen wurden mitsamt ihren Wurzeln ausgebuddelt. Die aus Nordamerika stammende und durch Menschen eingebrachte Pflanzenart breitet sich sehr schnell aus und bedroht durch ihre dichten Bestände andere Arten. Anfang Februar 2021 starteten im zweiten Schritt die großen Gehölzarbeiten, um den Waldbestand in einer Tiefe von zehn bis 30 Meter links und rechts der Achse stark aufzulichten. Hierbei werden auch die Fichten gefällt, die auf den DB-eigenen Flächen direkt an der Eisenbahntrasse stehen. Die Rodungsarbeiten wurden nach Möglichkeit durch das Sicherheitspersonal der Deutschen Bahn unterstützt.

Nachhaltig aufwerten und entwickeln

Die Maßnahmen am Schlingnatterkorridor sind Teil des von der Europäischen Union geförderten LIFE-Projekts “Atlantische Sandlandschaften” zum Erhalt der biologischen Vielfalt. Das Projekt wird gemeinsam von den Ländern Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen umgesetzt. Charakteristische Biotope der atlantischen biogeographischen Region sollen dabei nachhaltig aufgewertet oder entwickelt werden. “Dies sind zum Beispiel Heide- und Dünenlandschaften, artenreiche Borstgrasrasen und nährstoffarme Stillgewässer”, zählt Leonie Braasch vom NLWKN auf. Auch die Bestände der für diese Lebensräume typischen Arten wie Knoblauchkröte, Kreuzkröte, Schlingnatter und Zauneidechse sollen gestärkt werden.

Weitere Informationen über das LIFE-Projekt gibt es auch im Netz unter www.nlwkn.niedersachsen.de.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.