Lokales

/lokales/von-wegen-frische-landluft_10_112008462-21-.html/ / 1

Über den Umgang mit Geruchswolken, die durch die Luft wabern und deren unterschiedlichen Ursprung

Von wegen frische Landluft!

Man kann es riechen: Die Gülle-Zeit hat begonnen.Foto: Weber
Man kann es riechen: Die Gülle-Zeit hat begonnen.Foto: Weber
HöREM - 31. März 2021 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

WZ-Autorin Anke Weber schreibt über ihr Landleben zwischen Gartenarbeit, desaströsen Kochversuchen, Naturerlebnissen und Stadtbesuchen, wobei sie Menschen, Tiere, Pflanzen und manchmal auch sich selbst unter die Lupe nimmt.

Gerüche auf dem Land können sehr unterschiedlicher Art sein. Da gibt es den Duft der frisch gemähten Wiese oder den würzigen Geruch des Waldbodens. Das ist das, worauf die Menschen in der Stadt oft ein bisschen neidisch sind. Aber es breiten sich auf dem Land auch unangenehme Gerüche aus. Aktuell ist wieder Gülle-Zeit. Die Phase, in der ich auf schnell helfenden Regen hoffe, der die Stinke-Partikel zügig versickern lässt. Denn Wärme ist ein starker Geruchsträger. Wenn sich laue Frühlingstage mit Gülle paaren, dann liegen Freud und Leid olfaktorisch nah beieinander. Je nachdem wie der Wind steht, wabert dann der frische Duft von wachsendem Grün und ersten Blüten über das Land. Oder eben der von Gülle.

Jogging-Tourismus!

Manchmal sind Gerüche für den Menschen kaum wahrnehmbar. Oft habe ich mir gewünscht, mit einer Hundenase ausgestattet zu sein. Besonders dann, wenn mein Hund im Gebüsch verschwunden ist und dort etwas wahnsinnig Interessantes, aber für mich Unsichtbares, entdeckt hat. Ich rieche was, was du nicht siehst! Das war unser Spiel. Wobei ich nur selten herausfand, was er erschnüffelt hatte. Den geheimen Wunsch nach einem besseren Geruchssinn habe ich inzwischen wieder verworfen. Und das hat nicht nur etwas mit der aktuellen Gülle-Phase zu tun.

Von Zeit zu Zeit verabrede ich mich mit meiner Freundin zu einem Spaziergang. Dieses Mal bei ihr - wegen des frischen Gülle-Geruchs in meiner Gegend. Während ich ausgesprochen außerhalb wohne, lebt meine Freundin in einem Dorf in Stadtnähe. Die Wege rund um ihr Haus sind mittlerweile zu einer Art Promenade geworden. Jogging-Tourismus! Leute aus der Umgebung - also der nahegelegenen Stadt - kommen zum Joggen oder für einen Spaziergang mit dem Auto angegefahren. Auf diese Weise entfliehen sie verständlicherweise der Maskenpflicht in ihren überfüllten Jogging-Revieren. So, wie ich eben der Gülle entflohen bin.

Den Wasch-Düften entkommen

Meine Freundin und ich erfreuten uns also gemeinsam am Duft der Natur. Feucht würzig riechender Waldboden, sonnig duftendes Gras und harzig die sägefrischen Baumstämme am Wegesrand. Als zwei Frauen schnellen Schrittes an uns vorbeizogen, kroch uns ihr Waschmittel in die Nasen. Minuten vergingen, bis die Luft endlich wieder rein war. Dann bogen wir ab und hatten eine weitere Gruppe sportiver Menschen vor uns. Alle offenbar frisch geduscht. Wer macht das vor dem Sport im Freien? Egal. Jedenfalls spielte mir mein Gehirn spontan mehrere Duschgel-Werbe-Spots vor Augen. Um den ganzen Wasch-Düften zu entkommen, bogen meine Freundin und ich schließlich in den Wald ab.

Endlich. Tief atmeten wir die Natur ein. Dann überholte uns ein Jogger. Rasierwasser! Wahrscheinlich eine ganze Flasche. Und ich dachte, dass Gülle in Sachen Geruchsbelästigung konkurrenzlos ist.

Kommentare

Noch keine Kommentare vorhanden.
Diese Beitragsdiskussion wird moderiert. Die Redaktion behält sich das Recht vor, eingereichte Kommentare zu löschen, wenn diese gegen den Verhaltenscodex verstoßen. Ihr Kommentar sowie Ihr vollständiger Name werden in der Beitragsdiskussion veröffentlicht. Einzelne Kommentare können zur Veröffentlichung in der Walsroder Zeitung verwendet werden.