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Monitoring im Forstamt Sellhorn: Ornithologen legen ihren zehnten Jahresbericht vor - Brutreviere nehmen zu

Waldvögel sind im Aufwind

Totholz und Dienstleister: Spechte betreiben im Wald eine Art sozialen Wohnungsbau für viele höhlenbewohnende Waldtiere. Foto: Niedersächsische Landesforsten
Totholz und Dienstleister: Spechte betreiben im Wald eine Art sozialen Wohnungsbau für viele höhlenbewohnende Waldtiere. Foto: Niedersächsische Landesforsten
BISPINGEN - 26. März 2021 - 05:00 UHR - VON REDAKTION

Die Population der Waldvögel nimmt zu. Obwohl häufig über den globalen Rückgang der Artenvielfalt gesprochen wird, sehen die Niedersächsischen Landesforsten hinsichtlich der Waldvogelpopulationen einen gegenläufigen Trend im Landeswald. Ein langfristig angelegtes Waldvogel-Monitoring im Forstamt Sellhorn liefert erste Erkenntnisse.

Das Niedersächsische Forstamt Sellhorn kartiert seit rund 50 Jahren die Brutvögel des Waldes. Seit 2011 führt das Forstamt ein systematisches Monitoring-Programm für Waldvogelarten durch. Das Projekt wurde anfänglich von der “Ursula und Wilhelm Lindemann Stiftung” sowie der “Stiftung Zukunft Wald” gefördert. Nach dem Auslaufen der Förderung wurde das Monitoring allein vom Forstamt Sellhorn finanziert. Das Jubiläumsjahr 2021 wird erneut von der “Stiftung Zukunft Wald” gefördert.

Drei ausgewählte Waldflächen von unabhängigen Ornithologen untersucht

Das Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Waldvogelbestände im Forstamt zu dokumentieren. Viele Vögel gelten als Indikatorarten für die Entwicklung der Wälder. Eine Indikatorart reagiert sensibel auf Umwelteinflüsse. Hierdurch können Einflüsse auf die Population der Waldvögel erkannt werden. “Täglich berücksichtigen die Försterinnen und Förster in besonderer Weise die Belange der Vogelwelt bei der naturnahen Bewirtschaftung der Wälder. Unser Waldbaukonzept entwickelt den Wald zu naturnahem Mischwald mit einem hohen Anteil an alten Bäumen und Totholz. Diese positive Veränderung des Waldes spiegelt sich im Waldvogel-Monitoring wider, allerdings sind auch die Auswirkungen sehr trockener oder sehr kalter Winter erkennbar”, erläutert Peter Wendt, Leiter des Forstamtes Sellhorn.

Seit zehn Jahren werden drei ausgewählte Waldflächen im Naturschutzgebiet “Lüneburger Heide” viermal jährlich von unabhängigen Ornithologen untersucht. Die Flächen wurden so ausgewählt, dass es sich bei einer Fläche um jungen Nadelwald handelt, eine Fläche besteht aus altem Nadelwald, der größtenteils in Laubwald umgebaut wird, und die dritte Fläche besteht überwiegend aus altem Laubwald.

Bestandserholung bei Zaunkönig und das Rotkehlchen

Die Ergebnisse weisen eine kontinuierliche Zunahme von Brutrevieren auf. Insgesamt wurden 38 verschiedene Waldvogelarten in den Revieren erfasst. Oliver Richter, Förster für Waldökologie und Naturschutz im Forstamt Sellhorn betont: “In den alten Laubwäldern findet sich eine größere Artenzahl und mit 230 bis 300 Brutvogelrevieren auch eine höhere Individuen-Dichte. Dadurch zeigt sich einmal mehr, wie wichtig unsere Altholzbestände für die Artenvielfalt sind.” Besonders die milderen Winter der vergangenen Jahre zeigten eine deutliche Bestandszunahme bei Arten der nicht samenfressenden Jahresvögel wie der Zaunkönig und das Rotkehlchen, die im Forstamt Sellhorn eine deutlichere Bestandserholung aufweisen als im landes- und bundesweiten Vergleich.

Forstamtleiter Peter Wendt zieht eine erste Zwischenbilanz: “Es ist sehr erfreulich, dass wir erste positive Rückschlüsse hinsichtlich der Waldvogelpopulationen ziehen können. Besonders der Anstieg der Artenvielfalt und das Vorkommen der typischen Waldarten bestärkt uns in unserem forstwirtschaftlichen Handeln und zeigt uns, dass unsere Waldbaukonzepte auch im Einklang mit der Natur stehen.” Klare und deutliche Aussagen seien jedoch erst über einen langen Zeitraum möglich. “Daher stehen wir, obwohl die Untersuchungen bereits seit zehn Jahren laufen, noch ganz am Anfang. Wir freuen uns jederzeit über interessierte Unterstützer des Projektes, um eine Langfristigkeit des systematischen Brutvogel-Monitorings zu gewährleisten”.

In den nächsten Jahren wird es interessant sein, zu beobachten, wie sich die Folgen der jüngsten starken Dürrejahre seit 2018 auf die Waldbestände im Untersuchungsgebiet und damit möglicherweise auch auf die dort beheimateten Waldvogelarten auswirken.

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