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Folgen für Mensch und Umwelt bei Veranstaltung des Aktionsbündnisses gegen Gasbohren Bad Fallingbostel im Fokus

Was Erdgasförderung bedeuten kann

Moderatorin Eva Meyerhoff mit den Referenten des Abends - Hans-Heinrich von Hofe, Wiebke Ehlers, Hans-Joachim Euhus und Birgit Brennecke (von links) - in der Diskussion mit mehr als 160 Teilnehmern in Dorfmark. red
Moderatorin Eva Meyerhoff mit den Referenten des Abends - Hans-Heinrich von Hofe, Wiebke Ehlers, Hans-Joachim Euhus und Birgit Brennecke (von links) - in der Diskussion mit mehr als 160 Teilnehmern in Dorfmark. red
DORFMARK - 06. Dezember 2018 - 04:00 UHR - VON REDAKTION

Während bei der Informationsveranstaltung des Aktionsbündnisses gegen Gasbohren Bad Fallingbostel in der St.-Dionysius-Kirche noch allgemein darüber informiert worden war, dass in Dorfmark und Oerbke Aufsuchungsbohrungen durch ein kanadisches Unternehmen geplant sind, wurde bei der zweiten Veranstaltung schnell klar: Die Bürger wollen die Vorhaben nicht einfach nur zur Kenntnis nehmen. Der Saal im Hotel Deutsches Haus in Dorfmark war gefüllt bis auf den letzten Platz, sodass die Tür zum Nebenraum geöffnet werden musste.

Birgit Brennecke und Hans-Joachim Euhus aus dem Nachbarlandkreis Rotenburg berichteten von ihren mehr als 20-jährigen Erfahrungen mit Erdgas- und Erdölförderungen und deren Nebenwirkungen. Besonders Euhus schilderte anschaulich, was sich 200 Meter neben seinem Wohnhaus abspiele und darüber, wie die im Laufe der Jahre wechselnden Betreiber der Anlage auf seinem Grund und Boden in Grapenmühlen mit Informationen zu ihrem Tun umgingen. Nur etwa zwei Jahre sei auf dem Gelände tatsächlich Gas gefördert worden. Danach sei Euhus kurzfristig darüber in Kenntnis gesetzt worden, dass dort Lagerstättenwasser verpresst werden solle. Seitdem rollten jeden Tag diverse Tanklastwagen an und verrichteten ihr Werk, erzählte er. Eine Kontrolle der Anlage durch die Aufsichtsbehörde fände faktisch nicht statt.

Euhus berichtete von Analysen, die er selbst in Auftrag hätte geben müssen und die Erschreckendes zu Tage gefördert hätten: Krebserregendes Benzol und auch giftiges Quecksilber sind nur zwei Substanzen auf der Liste von bekannten Schadstoffen, die dabei nachgewiesen worden seien. “Kontrollen durch das LBEG kommen entweder nur angekündigt oder gar nicht”, so Euhus, der selbst an Krebs erkrankt ist. Er fordert seit Jahren unangemeldete Kontrollen von unabhängigen Gutachtern.

Birgit Brennecke, die bereits viele Jahre in verschiedenen Bürgerinitiativen und Arbeitskreisen im Landkreis Rotenburg aktiv ist, kam auf ihre Erfahrungen aus der ländlichen Gegend um Bothel zu sprechen, wo in den vergangenen zwei Jahrzehnten nahezu in jedem Haushalt eine Person an Krebs erkrankt sei. Das habe Bürger und Ärzte veranlasst, sich mit Nachdruck für eine Studie starkzumachen. Von dieser noch laufenden Studie des Niedersächsischen Gesundheitsministeriums, an der mehr als 200 Ärzte im Bereich der Bohrungen in der Rotenburger Region teilnehmen, würden erste Ergebnisse Mitte nächsten Jahres vorliegen. “Besonders wichtig ist der Schutz des Wassers”, mahnte Brennecke eindringlich. “Achten Sie darauf, dass Sie schon im Vorfeld einer Bohrung genau hinschauen und beteiligt werden.”

Wiebke Ehlers und Hans-Heinrich von Hofe schilderten - wie schon in der ersten Veranstaltung - den aktuellen Sachstand der Vorhaben vor Ort und die für die lokalen Aktiven wichtigen Aspekte. “Um Schäden von Menschen, Tieren und Umwelt, Lebens- und Wirtschaftsraum abzuwenden, sollten die betroffenen Bürger und Unternehmen mittels öffentlicher Beteiligung schon in den Antragsprozess eingebunden werden”, forderte Ehlers, die mit weiteren Vertretern aus der Region gemeinsam mit den drei Mitgliedern des Landtags aus dem Heidekreis dieses Anliegen in einem Gespräch mit dem niedersächsischen Umweltminister Olaf Lies erörtert hatte. “Eine Umweltverträglichkeitsprüfung sollte inzwischen für jedes Bohrvorhaben zur Gewinnung von Erdgas und Erdöl vorgenommen werden. Besonders der Schutz der Wassergewinnungsgebiete sollte dabei im Vordergrund stehen”, sagte Ehlers.

Die an die Vorträge anschließende rege Diskussion zeigte deutlich, dass die Teilnehmer des Abends deutliche Kritik an der Informationspolitik des Vorhabenträgers Vermilion Energy äußerten. Die Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass es Alternativen zur Nutzung fossiler Energieträger gebe und dass Erdgasförderung in dicht besiedelten Gebieten keinesfalls eine unumgängliche Notwendigkeit sein dürfe. Klar wurde auch, dass die Anwohner die Erdgasförderung dicht an ihrem Zuhause nicht einfach ungefragt hinnehmen wollen.

Am 9. Januar wird es ein weiteres Treffen im Deutschen Haus in Dorfmark geben, bei dem die weitere Vorgehensweise und Aktionen besprochen werden sollen. Interessierte sind dazu eingeladen.

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