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Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck verknüpft Künstlerbiografie mit historischen Ereignissen

WeltFilmClub zeigt: “Werk ohne Autor”

Pinselstrich: Tom Schilling spielt die Hauptrolle in “Werk ohne Autor”. Pergamon Film
Pinselstrich: Tom Schilling spielt die Hauptrolle in “Werk ohne Autor”. Pergamon Film
WALSRODE - 05. Januar 2019 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Am kommenden Dienstag, 8. Januar, 20.15 Uhr, zeigt der WeltFilmClub im Walsroder Capitol-Theater den Film “Werk ohne Autor”. Regisseur Florian Henckel von Donnersmarck meldet sich nach längerer Pause mit einem Film zurück, der in drei deutschen Staaten spielt und Fragen zum Verhältnis von Kunst, Wirklichkeit und ihrer Darstellung aufwirft.

Zu Zeiten der deutschen Teilung gelingt dem jungen Künstler Kurt Barnert (Tom Schilling) die Flucht aus der DDR in die Bundesrepublik. Doch ein friedliches Leben will sich für ihn nicht einstellen - zu sehr plagen ihn seine Kindheits- und Jugendtraumata, die er während der Herrschaft der Nazis und der SED-Zeit erlitten hat. Erst als er die Liebe seines Lebens, die Studentin Elizabeth (Paula Beer), kennenlernt und bald darauf heiratet, gelingen ihm Bilder, mit denen er nicht nur seine eigenen Erlebnisse verarbeitet, sondern auch die einer ganzen Generation. Kurts Glück wird nur durch das schwierige Verhältnis zu seinem undurchsichtigen Schwiegervater Professor Seeband (Sebastian Koch) überschattet. Denn dieser trägt eine Schuld an den schwerwiegenden Ereignissen in Kurts Leben ...

Die Leistung des Films liegt darin, die Künstlerbiografie und die historischen Ereignisse der Zeit eng miteinander zu verknüpfen. Die Figuren Preuss und van Verten sind durch die Künstler Joseph Beuys und Günther Uecker inspiriert. Wesentliche Motive und Stationen der Lebensgeschichte Kurt Barnerts ähneln der des aktuell bestbezahlten Künstlers Gerhard Richter. Die Kunst des sozialistischen Realismus wird ebenso aufgegriffen wie diejenige der 1960er Jahre in der BRD. Indem er Fotos als Vorlage verwendet, rückt Barnert seine Werke nahe an die Wirklichkeit heran, um dann aber durch ihre Verfremdung wieder davon Abstand zu nehmen. Er stellt so die Frage nach dem Umgang mit Realität - oder dem, was er dafür ausgibt. Es liegt ein Filter über dem, was die Augen sehen oder die Erinnerung weismacht, und dieser Filter erinnert daran, dass nichts wirklich so ist, wie es das Bewusstsein darstellt. Damit führt der Film in medientheoretische und philosophische Diskurse über das Verhältnis zwischen Wirklichkeit, ihrer Darstellung und (Re)konstruktion im menschlichen Bewusstsein.

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