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Die sechsjährige Kiana-Lina aus Bierde hat bereits zum zweiten Mal die erschütternde Diagnose Leukämie erhalten

Wenn das Fieber kommt, laufen die Tränen

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BIERDE - 03. Januar 2019 - 13:50 UHR - VON SILVIA HERRMANN

Sie ist erst sechs Jahre alt, doch ihre Krankenakte füllt bereits mehrere Ordner: Kiana-Lina aus Bierde ist an Leukämie erkrankt. Und das nun schon zum zweiten Mal.

Als Kiana-Lina Ende März 2016 mit geschwollenen Lymphknoten am Hals ins Krankenhaus nach Rotenburg kommt, glauben Familie und Ärzte noch an nichts Böses. Kinder in ihrem Alter haben oft Infekte; so soll auch in diesem Fall ein Antibiotikum helfen. Schnell kann sie wieder nach Hause, und alles scheint auch wieder gut zu sein. Doch ein paar Wochen später will Kiana-Lina Fahrradfahren lernen. Ihre Beine schmerzen danach, und als es ihr immer schlechter geht, glauben die Eltern nicht mehr daran, dass es einfach Muskelkater ist. Ein Arzt tippt auf eine verschleppte Infektion und verordnet erneut Antibiotikum.

Nur dieses Mal bessert sich der Zustand des Mädchens nicht. Auch die Blutprobe gibt zunächst keinen Aufschluss. Erst als Mitte Mai das Blut noch einmal untersucht wird, fallen erhöhte Leber- und Leukozytenwerte, also die Zahl der weißen Blutkörperchen, auf. Die Milz ist ebenfalls vergrößert. Im Raum steht eine neue Diagnose: Epstein-Barr-Virus - Pfeiffersches Drüsenfieber. Doch die Eltern werden auch darauf angesprochen, dass die Symptome auf eine viel ernstere Erkrankung hinweisen können, nämlich auf Blutkrebs. Und nach einer Knochenmarkpunktion Ende Mai 2016 bewahrheitet sich die düstere Ahnung: Kiana-Lina hat Leukämie.

“Dann ging alles recht schnell”, beschreibt Mutter Laura die folgenden zwei Therapie-intensiven und emotional hoch belastenden Jahre für Kiana Lina, aber auch für die ganze Familie, zu der auch Papa Karsten und die heute fünfjährige Schwester Lilia gehören. Ein Jahr Therapie mit diversen Chemoblöcken verlangen Kiana-Lina viel Kraft ab. Doch ihre Tapferkeit scheint sich zu lohnen, denn nach dem letzten intensiven Chemo-Block sind bereits nach drei Monaten keine Leukämiezellen im Knochenmark mehr zu finden. Im Mai 2018 gilt Kiana-Lina als geheilt. “Im September 2018 kam dann der Rückfall”, erzählt Papa Karsten am Telefon, während seine Frau per Handy direkt aus Kiana-Linas Krankenzimmer in Bremen zugeschaltet ist. Denn auch über die Feiertage und den Jahreswechsel geht es Kiana-Lina nicht gut, ihre Blutwerte sind zu schlecht für die eigentlich anstehende nächste Chemo. Immer wieder hat sie Fieber zwischen den schon acht Chemo-Blöcken, die Kiana-Lina seit der zweiten erschütternden Diagnose bereits wieder über sich ergehen lassen musste.

Dabei waren alle so hoffnungsvoll gewesen: Kiana-Lina ist an ALL erkrankt, einer Form der Leukämie, die mit einer Intensivtherapie, wie sie sie erhalten hat, gut heilbar ist. Die Chancen liegen bei 95 Prozent. Da in der Chemo-Therapie allerdings nur Zellen bekämpft werden können, die sich teilen, haben in Kiana-Linas Körper anscheinend wie bei fünf Prozent der Erkrankten nicht aktive Krebszellen unentdeckt überlebt.

Mama Laura hat die neuerliche Diagnose noch nicht realisiert. “Das ist noch gar nicht angekommen. Das Loch kommt nach Monaten, erst, wenn man zur Ruhe kommt und längere Zeit wieder zu Hause ist.” Bisher war Kiana-Lina, wenn es hochkommt, seit September an 20 Tagen in Bierde.

Und wie geht es - abgesehen von den Strapazen der Behandlung, die diesmal deutlich ihre Spuren hinterlässt - Kiana-Lina selbst? “Sie ist ganz tapfer. Das Schlimmste für Kiana-Lina ist, dass sie nicht zur Schule gehen kann. Und dass sie ihre Freunde nicht so oft sieht”, erzählt ihre Mutter. Wenn aufgrund der fehlenden Abwehrkräfte aber das Fieber kommt, dann weint sie doch: “Auf Krankenhaus hat sie gar keine Lust”, sagt Vater Karsten. “Sie nimmt dieses Mal auch sehr viel mehr wahr über ihren Zustand. Aber sie ist positiv und stark”, ergänzt seine Frau. Und: Kiana-Lina möchte bald auch wieder reiten, hat sie ein großes Ziel.

Die Hoffnung liegt nun auf einer Stammzellenspende eines “genetischen Zwillings”, der allerdings für Kiana-Lina erst noch gefunden werden muss. Daher wird es in der “Alten Schule” in Bierde am 12. Januar eine Typisierungsaktion geben, bei der sich potenzielle Lebensretter für das Mädchen, aber auch andere Leukämie-Patienten weltweit, registrieren lassen können: “Kiana-Lina sucht Helden.”

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