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Neuer Teil der Serie “Mein Landleben”: Über Tomaten im Freiland, das Chaos-Gärtnern und die zufällige Überprüfung einer Studie

Wieder irgendwas mit Tomaten

Fluch und Segen zugleich: Eine üppige Tomatenernte ist auch noch im Oktober möglich. Foto: Weber
Fluch und Segen zugleich: Eine üppige Tomatenernte ist auch noch im Oktober möglich. Foto: Weber
HöREM - 01. Oktober 2020 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

WZ-Autorin Anke Weber schreibt über ihr Landleben zwischen Gartenarbeit, desaströsen Kochversuchen, Naturerlebnissen und Stadtbesuchen, wobei sie Menschen, Tiere, Pflanzen und manchmal auch sich selbst unter die Lupe nimmt.

Vielleicht hatte ich etwas zu viel Saatgut gesammelt. Oder die zarten Tomatenpflänzchen im Frühjahr nicht beherzt genug vereinzelt. In erster Linie wollte ich sicher sein, nicht zu wenige Tomaten zu haben. Und nun habe ich viele. Seit Wochen. Selbst jetzt, nachdem es kühler geworden ist und die Sonne seltener scheint, entwickeln sich meine Tomaten weiter bestens. Jeden Tag esse ich Tomaten. Im Vorbeigehen zupfe ich sie ab und stecke sie mir wie Kirschen in den Mund. Wenn mein Mann und ich darüber sprechen, was wir abends kochen wollen, scherzen wir inzwischen, dass wir es noch nicht genau wissen, aber dass es auf jeden Fall irgendwas mit Tomaten wird. Wir essen Nudeln und Rührei mit Tomaten, Tomatensalat, Kartoffelauflauf mit Tomaten, Tomatensuppe, Quiche mit Tomaten, Bruschetta und alles, was so mit Tomaten vorstellbar ist.

Zum wiederholten Male falsch gemacht

Es heißt ja, Tomaten würden besser gedeihen, wenn sie keinen Regen von oben bekämen. Dennoch stehen meine Tomaten jedes Jahr im Freien. Nicht so ordentlich wie bei meinem Vater oder meiner Tante, wo zwischen den Pflanzen viel Platz ist, sodass man beim Gießen nicht immer alles umreißt. Zum wiederholten Mal habe ich das falsch gemacht. Meine Tomaten stehen wieder zu eng beieinander, verhaken sich ineinander und am Ende des Sommers, also jetzt, wirkt das Beet wie ein großes Durcheinander von Grünzeug mit kleinen gelben und roten Farbtupfern. Ich muss vorsichtig über Pflanzenteile steigen, um an die Früchte zu gelangen, und aufpassen, dass ich nicht alles zertrete. Trotz der chaotischen Voraussetzungen ist meine Tomatenernte erstaunlich üppig. Und das ist gut so. Nicht nur, weil ich Tomaten äußerst gern esse, sondern weil sie auch sehr gesund sind.

“Die Tomate ist ein Jungbrunnen”

Tomaten haben eine hohe Nährstoffdichte und die Aufzählung der gesunden Stoffe in Tomaten gleicht einem Gesundheits-Cocktail. Von Vitamin C für das Immunsystem bis hin zu Stoffen, die gut für die Haut und das Sehvermögen sind. Offenbar gibt es sogar eine Studie, die besagt, dass eine Ernährung mit hohem Tomaten-Anteil die Auswirkungen des Alterns hemmen kann. Die Tomate ist also ein Jungbrunnen. Allerdings bin ich mir nicht so sicher, ob das stimmt. Da ist zum Beispiel mein Gedächtnis, das gefühlt so langsam altersschwach wird. Aber vielleicht kommt mir das nur so vor. Es hat da auch früher schon manchmal Defizite in Form von vergessenen Schlüsseln gegeben. Das kann also ganz andere Ursachen haben. Wirklich zweifelhaft finde ich inzwischen aber die angebliche Wirkung der Tomaten auf das Sehvermögen. Jedenfalls nachdem ich eine gute Bekannte auf dem Supermarktparkplatz übersehen habe, die offenbar mit großer Geste und sehr deutlich gewunken hatte. Sie meinte später zu mir: Du hast wohl Tomaten auf den Augen.

Anke Weber

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