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Erfahrungen, Erkenntnisse und Empfehlungen zum Nabu-Projekt “Herdenschutz Niedersachsen”

Wirkungsvoller Schutz vor dem Wolf?

Wolfsabweisende Zaunarten und Herdenschutzhunde: Was ist das Mittel gegen den Wolf für Weidetierhalter? Foto: Bärbel Wittor
Wolfsabweisende Zaunarten und Herdenschutzhunde: Was ist das Mittel gegen den Wolf für Weidetierhalter? Foto: Bärbel Wittor
SCHNEVERDINGEN - 04. Oktober 2020 - 07:00 UHR - VON REDAKTION

In Alfred-Toepfer-Akademie kamen Verantwortliche zusammen, die in das Nabu-Projekt “Herdenschutz Niedersachsen” eingebunden waren. Dabei wurden unter anderem mehr als 5500 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet, um in dreieinhalb Jahren wolfsabweisende Zäune zu errichten. Nun war es Zeit, Resümee zu ziehen.

Nach dreieinhalb Jahren endet nun die Förderung des Nabu-Projektes “Herdenschutz Niedersachsen” durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) und die Niedersächsische Bingo-Umweltstiftung (NBU). Zeit, Resümee zu ziehen.

Als Gast der Alfred-Toepfer-Akademie für Naturschutz im Camp Reinsehlen veranstaltete der Nabu Niedersachsen ein Symposium, in dem von den Erfahrungen und Erkenntnissen der Projektaktivitäten berichtet und das Geleistete vorgestellt wurde.

“Berechtigte Interessen verschiedener Akteure miteinander zu versöhnen”

Der Landesvorsitzende des Nabu Niedersachsen, Dr. Holger Buschmann, würdigte vor allem den herausragenden Einsatz der Aktiven, die mehr als 5500 Stunden ehrenamtlicher Arbeit im Projektzeitraum beim Bau wolfsabweisender Zäune als praktische Unterstützung von Weidetierhaltern aufgewendet haben. DBU-Experte Dr. Volker Wachendörfer sagte, das Projekt sei ein gelungenes Beispiel dafür, wie die wichtige Symbiose zwischen Naturschutz und Weidetierhaltung gelingen könne. Vor allem sei es der richtige Weg, um die berechtigten Interessen verschiedener Akteure miteinander zu versöhnen. Durch die Freiwilligenarbeit zusammen mit Tierhaltern würden nicht nur Weidetiere vor Wolfsübergriffen geschützt, sondern es entstehe gegenseitiger Respekt und Verständnis zwischen den Beteiligten.

Mehr als 130 Weidetierhalter beraten

Nabu-Projektleiter Peter Schütte erklärte, dass die Anwesenheit von Wölfen für Weidetierhalter höhere Kosten bedeute, zum Beispiel für wolfsabweisende Zäunungen, die Anschaffung von Herdenschutzhunden oder erforderlich gewordene Betriebsumstellungen sowie einen Mehraufwand an Arbeitsleistung. An diesen Stellen könne man ansetzen, um Wissen zu schaffen und anfallende Kosten minimieren.

Im Rahmen des Projekts wurden so mehr als 130 Weidetierhalter vor Ort zur Umsetzung von Herdenschutzmaßnahmen beraten. Dabei handelte es sich bei etwa der Hälfte um Schaf-beziehungsweis Ziegenhaltungen, einem Viertel Rinder-, einem Fünftel Pferde- und zwei Gatterwildhaltungen. Bei insgesamt 50 Tierhaltungen wurden fast 100 Weideflächen wolfsabweisend fest eingezäunt. Das seien rund 530 Hektar und 82 Kilometer neue Zäune, die alte marode, nicht wolfsabweisende Zäunungen ersetzt hätten - und zwar vom Nordseedeich bis zum Harz, rechnet Schütte vor. Durch vom Projekt empfohlene Elektrozäune wird die Hütesicherheit für Weidetiere deutlich verbessert und Wolf und Wildschwein bleiben außerhalb der Weiden. Die Erfahrungen hätten gezeigt, dass Kleintiere und Rehwild die favorisierten fünfreihigen Elektro-Festzäune queren, nimmt Schütte Befürchtungen einer Zerschneidung der Landschaft den Wind aus den Segeln.

“Wir setzen die Hunde seit Jahren in allen unseren Schafsherden mitten in Wolfsgebieten ein.”

Dr. Torsten Richter von der Universität Hildesheim referierte über seine Untersuchungen zur Akzeptanzsteigerung für das Zusammenleben mit Wölfen durch die Einbindung Ehrenamtlicher in die Unterstützung von Weidetierhaltern. Elke Steinbach von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen stellte die einzelnen Bereiche des seit Anfang des Jahres ihrem Haus neu übertragenen Aufgabenfeldes Herdenschutz vor.

Nicole Benning (Verein für arbeitende Herdenschutzhunde) berichtete über den Einsatz von Herdenschutzhunden. “Wir setzen die Hunde seit Jahren in allen unseren Schafsherden mitten in Wolfsgebieten ein. Nachgewiesenermaßen meiden Wölfe unsere Herden. Probleme mit Anwohnern oder Spaziergängern, wie von einigen nahe Siedlungen oder in touristisch genutzten Gebieten der Lüneburger Heide und des Hamburger Moorgürtels befürchtet, haben wir kaum”, so Benning.

Schlüssel für wolfsabweisende Wirkung: korrekte Elektrifizierung und Erdung

Im Anschluss wurden mehrere wolfsabweisende Zaunarten präsentiert. Als dauerhafte Anschauungsmöglichkeit wurden im Camp Reinsehlen ein für Schaf- und Rinderweiden geeigneter “fünfreihiger Glattdrahtzaun” und eine Festzaunlösung für Pferdehaltungen installiert. Auch mobile Varianten wie der “Litzenzaun” wurden vorgestellt und zusätzlich Hinweise zu Tricks und Tücken beim Aufbau von Elektronetzen gegeben. Der Schlüssel für eine wolfsabweisende Wirkung sei die korrekte Elektrifizierung und Erdung, erklärte Sven Zwirner, Weidezaunexperte. Ferner sei die Einhaltung der entsprechenden Abstände der elektrischen Leiter bei Fest- und Litzenzäunen zueinander und vor allem zum Boden wichtig. Da Wölfe in der Regel Hindernisse untergraben, darf der Abstand des untersten elektrischen Leiters zum Boden 20 Zentimeter nicht überschreiten. Peter Schütte hielt fest, dass “jede Weidefläche individuell nach verschiedenen Gesichtspunkten wie zum Beispiel Tiergattung, Betriebsabläufen, Gelände oder sonstiger Einschränkungen betrachtet werden müsse. Deswegen sei eine einzelbetriebliche Vor-Ort-Beratung unabdingbar.

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