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Nabu Heidekreis besorgt über Vorfälle / Landvolk befürwortet Abschussquote

Wolfsabschuss: Organisationen im Heidekreis beziehen Stellung

Der Wolf erhitzt die Gemüter und befeuert Diskussionen. Foto: Michael Hamann/NABU
Der Wolf erhitzt die Gemüter und befeuert Diskussionen. Foto: Michael Hamann/NABU
WALSRODE - 07. Januar 2021 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Mit wachsender Sorge betrachtet der Kreisverband des Naturschutzbundes (Nabu) die Zunahme von Wolfstötungen in der nördlichen Heideregion. Das bei Wesseloh mit einer tödlichen Schussverletzung aufgefundene Jungtier sei nach dem Mitte Oktober bei Salzhausen schwer verletzt am Straßenrand entdeckten Wolf nun der zweite Fall, in dem ein Wolf im vergangenen Jahr durch oder infolge eines Schusswaffengebrauchs in der nördlichen Heideregion ums Leben gekommen sei, mahnt Klaus Todtenhausen, erster Vorsitzender des Nabu Heidekreis und befürchtet zudem eine hohe Dunkelziffer gewilderter Wölfe. Dass der Anfang 2020 bei Rotenburg überfahrene Elternrüde des Visselhöveder Rudels eine verheilte Schussverletzung aufwies, sei ein weiteres Indiz für die zunehmende Aggressivität gegenüber einer streng geschützten Tierart.

Wenn politische Entscheidungsträger wie Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner oder Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies für eine vorsorgliche Bejagung im Rahmen eines Bestandsmanagements plädierten und ungeachtet der europarechtlichen Vorgaben alles daransetzten, den hohen Schutzstatus des Wolfes aufzuweichen und die Anforderungen an den Herdenschutz zu senken, dürfe man sich nicht wundern, wenn die Hemmschwelle sinke und “der eine oder andere Waffenbesitzer bei Nacht und Nebel den Finger am Abzug krümmt”, ergänzt Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg in einer schriftlichen Mitteilung.

Da bislang keine der neun zwischen 2000 und 2019 in Niedersachsen bekannt gewordenen illegalen Wolfstötungen aufgeklärt worden ist, fordere der Kreisverband die zuständigen Behörden auf, entschlossener und konsequenter bei der strafrechtlichen Verfolgung vorzugehen. Denn das Töten eines streng geschützten Tieres sei kein harmloses Kavaliersdelikt, sondern eine Straftat, die mit einer Geldbuße bis zu 50.000 Euro, dem Entzug der Waffenbesitzerlaubnis und sogar einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren geahndet werden könne.

Die Meinungen gehen auseinander

Niedersachsens Landvolk setzt beim Thema Wolf hingegen auf Abschussquoten. Abschüsse seien die einzige Möglichkeit, die Ausbreitung der Tiere in dem Bundesland einzudämmen, sagt Landvolk-Vize Jörn Ehlers. Wolfsfreie Zonen seien an der Küste “ein Muss”, sie könnten nur mit Abschussquoten erreicht werden.

Scharfe Kritik übte Jörn Ehlers am Naturschutzbund (Nabu). Der Verband hatte zu Wochenbeginn eine EU-Beschwerde gegen die Wolfsverordnung des Landes Niedersachsen angekündigt. Die Verordnung soll den Abschuss von Wölfen erleichtern, die Nutztiere reißen. Nach Ansicht des Nabu verstoße sie gegen den Artenschutz (siehe Beitrag links).

Der Vorstoß des Naturschutzbundes sei “an Sarkasmus nicht mehr zu übertreffen”, äußert sich Ehlers in einer Pressemitteilung. Das sei ein Schlag ins Gesicht eines jeden Weidetierhalters in Niedersachsen, die mit ihrem wertvollen Engagement für den Naturschutz arbeiten. Der Nabu solle öfter mit Weidetierhaltern vor Ort reden, dann wisse er, wovon sie sprächen. Mit den vom Umweltverband geforderten Maßnahmen - wolfsabweisende Herdenschutzzäune und Entschädigungszahlungen - sei es jedenfalls laut Landvolk nicht getan. So ein “Wettrüsten” könnten Weidetiere nur verlieren, betonte Ehlers.

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