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Vortrag bei den Rethemer Landfrauen: Renate Reinhardt wandert auf dem Jakobsweg

“Zum Schluss war der Kopf leer und das Herz voll”

Derzeit zum vierten Mal auf Pilgerreise: Renate Reinhardt (rechts) berichtet in Rethem von ihren Erfahrungen und Erlebnissen.Foto: Gudrun Fischer-Santelmann
Derzeit zum vierten Mal auf Pilgerreise: Renate Reinhardt (rechts) berichtet in Rethem von ihren Erfahrungen und Erlebnissen.Foto: Gudrun Fischer-Santelmann
RETHEM - 26. September 2019 - 16:00 UHR - VON REDAKTION

Auf Einladung der Rethemer Landfrauen berichtete Renate Reinhardt aus Walsrode von ihren bislang drei Pilgertouren auf dem Jakobsweg und beeindruckte damit die vielen Zuhörerinnen. Hape Kerkelings Buch “Ich bin dann mal weg” habe sie dazu inspiriert, diesen Weg auch gehen zu wollen. Sehr lebendig erzählte sie von ihren ganz persönlichen Erfahrungen während der Reise und zeigte die entsprechenden Fotos dazu.

Ausgerüstet mit einem nur sechs Kilogramm schweren Wanderrucksack mit den nötigsten Utensilien, Schlafsack und dem Rother Wanderführer für den Pilgerweg “Camino Francés” brach sie einen Tag nach ihrem 65. Geburtstag alleine nach Nordspanien auf und wanderte los. “Es war eine wunderbare Erfahrung, sich so zu reduzieren”, betonte die ehemalige Kirchboitzer Schulleiterin, die übrigens auch mal in Rethem zu Hause war. In den folgenden Wochen sei sie auf dem Pilgerweg pro Tag durchschnittlich 25 bis 35 Kilometer gewandert, ohne vorher jemals lange Strecken gewandert zu sein. Selbstverständlich habe sie auch Blasen an den Füßen gehabt, “alle haben Blasen - das gehört dazu”.

Bei jeder Übernachtung erhalte man einen Stempel in seinen Pilgerpass. “Das Netz von Pilgerherbergen ist in Spanien sehr gut: Man braucht vorher nichts zu buchen und zahlt zwischen fünf und acht Euro für eine Übernachtung, zusammen mit zehn bis 30 Pilgern in einem Raum”, verriet sie. Morgens sei sie kurz vor Sonnenaufgang in ihrem eigenen Tempo los- und “in den Sonnenaufgang hineingegangen”, ohne sich anderen anzuschließen. Schon am ersten Morgen in den Pyrenäen sei sie beim Anblick von Adlern und Wildpferden “komplett glücklich” gewesen. Überhaupt habe sie die Landschaft während der 900 Kilometer langen Strecke fasziniert. Angst habe sie nicht gehabt, sondern sie habe die Erfahrung gemacht, “dass sich überall jemand findet, der einem hilft”.

“Unterwegs hatte ich ganz tolle Begegnungen, und manche Menschen habe ich immer wieder getroffen”, erzählte Renate Reinhardt den interessierten Frauen. Der Zusammenhalt unter den Pilgern, die aus aller Welt nach Spanien kommen, sei sehr groß.

Am Anfang ihrer Wanderung habe sie noch viele Gedanken im Kopf gehabt, doch zum Schluss “war der Kopf leer und das Herz voll”. Besonders berührend sei die Ankunft in Santiago de Compostela gewesen. Für sie habe schnell festgestanden, im nächsten Jahr wieder pilgern zu wollen. Der Jakobsweg sei wie ein Virus, findet Renate Reinhardt. An drei Jahren hintereinander ist sie nun schon im Mai den Jakobsweg gegangen: Nach dem “Camino Francés” pilgerte sie im zweiten Jahr von Porto nach Santiago (300 Kilometer) und 2018 den “Via de la Plata” von Sevilla aus (mehr als 1000 Kilometer), bei dem sie zwischenzeitlich mit Regen und Kälte zu kämpfen hatte. Derzeit ist sie auch gerade wieder unterwegs auf ihrer vierten Pilgerreise (“Camino del Norte”/Küstenweg).

Im Anschluss an den Vortrag fanden die ersten Überlegungen der Zuhörerinnen statt, selbst auch auf dem Jakobsweg zu wandern. Wenn alles klappt, möchten die Rethemer Landfrauen schon im kommenden Jahr damit beginnen - voraussichtlich in der Heide, denn auch dort führt der Jakobsweg entlang.

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