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Wer diesen Landkreis liebt, lässt seine Wunden heilen, hört auf zu spalten, zieht einen Strich und reicht der Gegenseite die Hand

Genug ist genug

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WALSRODE - 18. April 2021 - 23:11 UHR - VON ROLF HILLMANN

Auch wenn manche denken, dass das noch mal gut gegangen ist, so sollte die Freude über den Sieg der “Nein-Sager” über die “Ja-Sager” beim gestrigen Bürgerentscheid zur Standortdebatte über den möglichen Neubau des Heidekreis-Klinikums sehr verhalten ausfallen. Denn einen Grund zur Freude gibt es nur in der einen Sache - und die heißt zukünftige Gesundheitsversorgung. Niemand sollte den zurückgewiesenen Bürgerentscheid mit den Worten kommentieren, dass man es “denen” so richtig gezeigt habe. Denn schon vor dem Urnengang stand fest, dass es im Nord-Süd-Konflikt, der an dieser Krankenhaus-Standort-Debatte so eskalierte wie in den vergangenen 40 Jahren nicht mehr, keine Sieger geben kann - im Gegenteil. Wir alle, der ganze Landkreis hat furchtbar viel verloren. Sind wir noch “Ein Heidekreis”? Haben die Menschen aus den Kommunen des nördlichen Heidekreises noch die gleiche Sichtweise auf ihre Heimat wie die aus dem Südkreis? Gibt es noch eine gemeinsame Identität?

Ganz sicher ist es gut, dass das ab heute tagende Preisgericht morgen Abend einen Siegerentwurf präsentiert, der vielleicht auch eines Tages in die Tat umgesetzt werden kann. Hätte das “Ja” gewonnen, wäre diese Jury-Veranstaltung eine Farce gewesen. Und dass die Menschen aus dem Heidekreis spätestens am Mittwoch auch sehen können, wir ihr neues Krankenhaus irgendwann mal aussehen könnte, lenkt den Blick nach dem Bürgerentscheid genau dahin, wo er hingehört: in die Zukunft.

Die Initiatoren des Bürgerbegehrens haben das notwendige Quorum - und damit das Minimalziel ihres “Aufbegehrens” - nicht erreicht. Knapp 13.000 Menschen gaben ihnen eine Unterschrift, womit das Bürgerbegehren zunächst in den Bürgerentscheid münden konnte. Aber bei der Abstimmung selbst reichte die Mobilisierung in “ihren” Städten und Gemeinden nicht aus. Selbst in den vermuteten Hochburgen der “Ja-Sager”, etwa in Munster, lag die Wahlbeteiligung nur bei 30 Prozent. Anders im Südkreis, wo es gelang, viel mehr Menschen auf das Thema aufmerksam zu machen. In der Samtgemeinde Ahlden beispielsweise lag der Wahlbeteiligung so hoch wie bei Landtags- oder Bundestagswahlen. Quorum nicht erreicht, zum Teil sehr schlechte Wahlbeteiligung und auch noch schmerzhafte Stimmabgaben an die “Nein-Seite” wie in Neuenkirchen, Wietzendorf und Schneverdingen: Die Initiatoren müssen erkennen, dass das Klientel, auf das sie von Anfang an ausschließlich gesetzt hatten - die Wählerinnen und Wähler im Norden - ihnen nicht in ausreichender Zahl gefolgt ist.

Für morgen Nachmittag haben Otto Elbers, Adolf Köthe und die anderen Betreiber des beendeten Bürgerbegehrens zu einer erneuten Pressekonferenz eingeladen. Man darf gespannt sein, wie ihre Abstimmungsanalyse ausfallen wird. Doch schon heute seien sie gewarnt: Zahlen lügen nicht, sie kann man nicht umdeuten oder beschönigen. Zwischen elf und 27 Prozent der Wähler aus ihren Gemeinden haben ihr Kreuz beim “Nein” und nicht beim “Ja” gemacht, währen die Südkreiskommunen unisono mit über 96 Prozent für “Nein” votierten. Der Bürgerentscheid hat den Landkreis ein Jahr voller Tiefen beschert. Jetzt ist er vorbei. Wer diesen Landkreis liebt, lässt seine Wunden heilen, hört auf zu spalten, zieht einen Strich und reicht der Gegenseite die Hand.

Genug ist genug.

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