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Rainer Berwardt aus Rethem antwortet auf den Leserbrief von Rainer Backhaus und meint, die landwirtschaftliche Produktionsweise sei schuld am Insekten- und Artensterben

“Landschaft wurde den Maschinen angepasst”

RETHEM - 07. Juni 2018 - 11:45 UHR - VON ROLF HILLMANN

“Bäuerlich” zu wirtschaften, ging dem Bauern verloren! Leider ist der Bauer einer der Schuldigen, der durch seine Arbeitsweise der frühen Mahd auf Grünländereien, durch kontinuierliche Mitnutzung von Feldrainen den Lerchen die Brutplätze nimmt, der, weil er die fehlende Fruchtfolge durch Anwendungen von Insekten vernichtenden Insektiziden, Herbiziden und Fungiziden ersetzt, den Lerchen die Nahrungsgrundlage entzieht.

Lerchengelege befinden sich nicht nur auf Feldflächen, auch naturbelassene Wegraine sowie Wiesenflächen werden für den Nestbau und die Aufzucht der Jungvögel angenommen, wenn es nicht von bäuerlicher Seite verhindert wird. Wegraine sind oft nahtlos den Feldern zugeordnet, werden geschlegelt, gemäht oder mit Feldfrüchten bepflanzt. Die Wege in Grünlandbereichen werden, wie auch die meisten der Wiesen, bereits Mitte Mai gemäht. Priorität hat die eiweißreiche Silograserzeugung als Futterbedarf zur Stallversorgung der Milchkühe. Stallkühe, deren Milch mitunter als Weidemilch angeboten wird, wenn dem Vieh gelegentlich Zugang zu einer Miniwiese geboten wird.

Eine sehr frühe Mahd erfolgt auch im Rahmen der Substraternte zur Versorgung von Biogasanlagen, deren Gärreste auf die frisch abgeernteten Flächen ausgebracht werden. Eine nicht gerade lerchenfreundliche Arbeitsweise, wenn neu angelegte Lerchengelege mit Gülle parfümiert werden. Ein Bauer lebt nicht nur von seinen Ackerprodukten, er ist ebenso Empfänger von EU-Subventionszahlungen. Die Auszahlungen sind an die Einhaltung bestimmter Vorgaben gebunden. Wenn die EU-Programme EGFL und EHLER in der Summe dem Leserbriefschreiber etwas über 23.000 Euro (lt. EU-Auszahlung für 2017) einbringen, kann Duldung und Pflege der Hecken nicht zu viel abverlangt sein.

Grünlandumbruch ist aktuell in Niedersachsen nur auf Antrag und nach Genehmigung der Landwirtschaftskammer möglich. Das gilt für konventionell wirtschaftende Betriebe wie auch für Biobetriebe. Die Genehmigung wird nur erteilt, wenn gleichwertige Ausgleichsgrünlandflächen neu angelegt werden. Wilder Grünlandumbruch wurde im Vorfeld jahrelang praktiziert, in der Regel von

konventionell arbeitenden Betrieben. Neue Äcker für den Maisanbau waren anzulegen. Erstmals wurde ein neu entwickeltes, sehr insektentoxisches und langjährig wirkendes Neonikotinoid eingesetzt, der Wirkstoff Clothianidin zur Drahtwurmbekämpfung. Es war der Start zum Beginn eines massenhaften Artenschwundes. Einzig weitreichende und zeitlich lang andauernde Naturkatastrophen hätten die gleichen Wirkungen erzielt.

Doch Bauern schaffen es spielend, innerhalb nur weniger Jahre, sie verteilen Ackergifte! Der Insekten-, wie der weitere Artenschwund an Vögeln und Amphibien ist nachweislich die Folge landwirtschaftlich eingesetzter insektizid wirkender Gifte. Die Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten erheblichen Einfluss auf die Gestaltung von Landschaft und Umwelt ausgeübt. Das Umfeld den Produktionsbedingungen anzupassen, ist jahrelange und gezielt verfolgte Praxis landwirtschaftlicher Vereinigungen.

Unter dem Deckmantel der Flurbereinigungen sind großflächig Feuchtgebiete entwässert, kleinparzellierte Flächen in Monokulturen gewandelt und klimaregulierende Landschaften ausgeräumt worden. Die Landschaft ist den Großmaschinen angepasst worden. Fruchtfolge ist kein Thema mehr, sie wird durch Pestizidanwendung ersetzt. Futtermittel sowie Biogassubstrate werden aus fernen Gebieten bezogen, produktionstechnisch anfallende Abfallstoffe in unmittelbarer Hofnähe entsorgt. Ein Weiter so kann es nicht geben, Proteste gegen Umweltzerstörungen sind eine normale Reaktionen Betroffener. Es sollte Bauern eigentlich zum Nachdenken anregen, ihre Betriebsweise wieder “bäuerlich” zu gestalten, den Landbau landschonend und nachhaltig auszuführen. Das sollte aber auch Konsumenten landwirtschaftlicher Produkte veranlassen, “bäuerlich” erzeugte Produkte wieder schätzen zu lernen und diese zu erwerben, zu nutzen. Pestizidfrei erzeugte Lebensmittel wählen, auf deren Herkunft achten und sie preiswert, nicht billigst einkaufen, auf diese Art können die Verbraucher landwirtschaftliche Produktionsmethoden beeinflussen.

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