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Vor dem Verdener Landgericht hat ein Prozess gegen drei junge Männer aus Walsrode und Schneverdingen begonnen

“Gib uns deine Drogen, sonst steche ich dich ab”

Symbolbild: milankubicka-stock.adobe
Symbolbild: milankubicka-stock.adobe
VERDEN - 23. April 2021 - 22:00 UHR - VON REDAKTION

Ein neuer Prozess gegen drei junge Männer aus Walsrode und Schneverdingen ist am Landgericht Verden gestartet. Vorgeworfen wird den 22, 23 und 24 Jahre alten Angeklagten unter anderem besonders schwere räuberische Erpressung. Die Tat sollen sie bereits im August 2019 in Walsrode verübt haben.

Laut Anklage der Staatsanwaltschaft Verden hatte das Trio vereinbart, einem “in der Szene bekannten Drogenhändler” Betäubungsmittel abzunehmen. Dabei soll der 24-Jährige aus Walsrode mit einem Messer bewaffnet gewesen sein. Zunächst seien sie dem Geschädigten, der als Nebenkläger an dem Verfahren beteiligt ist, zu dessen Wohnung gefolgt. Er habe es geschafft, die Tür zu schließen und dabei dem 24-Jährigen einen Finger eingeklemmt. Als der Nebenkläger die Tür noch einmal kurz geöffnet habe, soll er von dem 24-Jährige einen Faustschlag ins Gesicht verpasst bekommen haben.

Das Trio soll sich dann zurückgezogen und den Finger versorgt haben. “Sie kamen überein, nochmals zum Geschädigten zu gehen, um es richtig zu machen”, heißt es in der Anklageschrift. Der Nebenkläger sollte “Geld und Drogen” herausgeben. Um das zu erreichen, seien alle drei Angeklagten zum Einsatz des Messers bereit gewesen, dass der 24-Jährige dabei hatte.

Vor Ort habe der 22-Jährige aus Walsrode die Tür zu der Wohnung aufgetreten. “Gib uns deine Drogen, sonst steche ich dich ab”, habe der 24-Jährige gedroht, und der “verängstigte Geschädigte” habe daraufhin rund 140 Gramm Marihuana und zirka 20 Gramm Amphetamine sowie 380 Euro Bargeld herausgegeben. Ein Zeuge, der sich laut Anklage in der Wohnung aufhielt, sei von einem der Angeklagten davon abgehalten worden, die Polizei zu rufen. Der 24-Jährige soll derweil dem Opfer ein weiteres Mal mit der Faust ins Gesicht geschlagen haben.

Weil der 22-Jährige zum Tatzeitpunkt noch 20 Jahre alt war und noch Jugendstrafrecht zur Anwendung kommen könnte, wird der Fall vor der 3. Großen Jugendstrafkammer verhandelt. Dort wollte sich bei dem etwas holprigen Prozessauftakt keiner der drei Angeklagten äußern. Erst war es zu Verzögerungen gekommen, weil ein Schöffe fehlte, dann konnte der Nebenkläger krankheitsbedingt nicht gehört werden, und ein Zeuge, der sich damals in der Wohnung aufgehalten haben soll, war nicht erschienen.

Ein Strafverfahren gegen den Nebenkläger wegen Besitzes von Betäubungsmitteln soll mit Blick auf diesen Prozess zurückgestellt worden sein. Es dürfte sich aber noch ein weiteres Verfahren ergeben haben, denn einen Tag nach der Tat hatte die Polizei Durchsuchungen bei den drei Angeklagten durchgeführt, an denen etliche Polizeibeamte beteiligt waren.

Bei dem damals noch zu Hause wohnenden 22-Jährigen wurden laut Durchsuchungsbericht ein Teleskopschlagstock, eine Schreckschusspistole, eine Machete und ein Luftgewehr sichergestellt. Die Waffen wurden jedoch seinem Bruder zugeschrieben, weil sie sich in dessen Zimmer befunden haben sollen. Drogen und ein Messer stellten die Beamten beim 24-Jährigen sicher.

Für den Prozess sind vier weitere Verhandlungstage bis zum 4. Mai eingeplant. (bru)

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