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“Es ist schön, dass du hier bist”

Ein Sprung aus 4000 Metern Höhe: Gemeinsam mit einem Instruktor erlebt Robert Dartmann 30 Sekunden freien Fall.Fotos: Privat
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Ein Sprung aus 4000 Metern Höhe: Gemeinsam mit einem Instruktor erlebt Robert Dartmann 30 Sekunden freien Fall.Fotos: Privat
WALSRODE - 15. Januar 2020 - 14:00 UHR - VON REDAKTION

In dem Format “Gesichter und Geschichten” berichtet die WZ über außergewöhnliche Menschen und ihre Erlebnisse. In einer Mini-Serie nimmt der 66-jährige Robert Dartmann aus Walsrode die Leser mit auf seine Reise durch Neuseeland und berichtet dabei über Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu Deutschland. Im dritten Teil geht es um die imposante Landschaft und um Fallschirmsprünge

Zu den touristischen Höhepunkten in Neuseeland gehören die heißen Quellen am Tekapo. Sie liegen im Zentrum eines Reservates, das durch einen besonders dunkeln Himmel gekennzeichnet ist. Die Region ist nämlich kaum besiedelt und die lokale Installation künstlichen Lichtes in diesem Bereich auf ein Minimum begrenzt. Durch diese einmalige Kombination entsteht ein sehr dunkler Nachthimmel und seit 2017 ist es möglich, den somit sehr gut sichtbaren Sternenhimmel aus dem Thermal-Pool zu beobachten und dabei den Erläuterungen von Astronomen zu lauschen.

Auch mein Sohn Andreas, der in Neuseeland lebt, und ich machten uns auf den Weg zu dieser touristischen Attraktion. Als wir an der Zufahrt ankamen, war allerdings die Straße gesperrt, da starke Winde einen sicheren Aufenthalt verhinderten. Wir warteten zum Glück nur kaum fünf Minuten, da wurde die Straße wieder geöffnet, und wir konnten bei zwar immer noch heftigen Winden einen fabelhaften Rundumblick über die Berge und Seen genießen. Anschließend fuhren wir weiter durch eine imposante Landschaft, die mehrfach als Filmkulisse, beispielsweise für Herr der Ringe, genutzt wurde. Unser Ziel: Der Ort Mount-Cook-Village auf 750 Metern, wo Andreas ein Zimmer in der lokalen Jugendherberge gebucht hatte. Dort erlebten wir die Freundlichkeit der Neuseeländer und der internationalen Naturfreunde hautnah. Am Abend genehmigten wir uns im nahegelegenen Chamoois-Grill ein Steak.

Am nächsten Morgen ging es dann für uns über den grandiosen, fünf Kilometer langen Hooker-Valley-Track zum Lake Hooker am Fuße des Hooker-Gletschers am Mount Cook, dem mit 3724 Metern höchsten Berg Neuseelands. Der Mount Cook wurde erstmals 1894 bestiegen. An mehreren Stellen entlang des Weges waren sogenannte SnapshotMe-Fixpunkte angebracht, auf denen Wanderer ihre Digitalkamera positionieren und ein immer gleich ausgerichtetes Foto machen können. Über die Jahre hinweg werden die so aufgenommenen Bilder gesammelt, um die Veränderung der Umwelt über einen langen Zeitraum zu dokumentieren. Auf dem fünf Kilometer langen und teilweise mit Holzbohlen ausgelegten Wanderweg überquerten wir an drei Stellen auf langen Hängebrücken den Abfluß des Lake Hooker und trafen mehrere deutsche Touristen.

Gegen Mittag waren wir wieder im Auto und fuhren in die Region von Duntroon. Mein Sohn Andreas wollte die Gelegenheit nutzen, um eine Gruppe alter Kalksteinfelsen zu besichtigen. Die Gruppe von rundlichen, verwitterten Steinen mit vielen fossilen Ein-schlüssen erinnerte mit einiger Fantasie an Elefantenköpfe. Ein Teil des Films Chroniken von Narnia wurde in dieser Szenerie gedreht. Dann ging es weiter zu den nahezu perfekt runden, bis zu zwei Meter großen Kalk-Konkretionen am Koekohe-Strand bei Moeraki. Die grau gefärbten Kugeln liegen einzeln oder in Gruppen an der Küste. Nach Legenden ortsansässiger Maori, sind die Boulder Reste von Aalkörben, die von dem Wrack des legendären Kanus Arai Te-Uru an die Küste gespült wurden. Nach diesen Legenden sind die Klippen, die sich ins Meer erstrecken, der versteinerte Rest des Bootskörpers und ein nahegelegener Felsvorsprung der Körper des Kapitäns.

Als letztes Abenteuer meines Aufenthaltes in Neuseeland wurde am vorletzten Urlaubstag der kleine Sport-Flughafen an der Ostküste der Südinsel in Ashburton angesteuert. Denn mein Sohn und ich hatten je einen Tandem-Fallschirmsprung gebucht. Nach einer entsprechenden Einweisung legten wir Anzug und Sprunggeschirr an. Dann schraubte sich die kleine Sportmaschine bis auf eine Höhe von 4000 Metern. Schließlich bewegte sich mein Instruktor - mit mir vor seinem Bauch befestigt - zur Sprungöffnung des Flugzeugs. Mit einer Geschwindigkeit von rund 200 Kilometern pro Stunde bewegten sich unsere Körper in Richtung Erde. Nach einer kurzen Zeit des freien Falls von etwa 20 bis 30 Sekunden wurde der Fallschirm geöffnet, und wir bewegten uns für fünf Minuten gemächlich weiter zum Landepunkt. Es war ein einmaliges Erlebnis.

Aber was war das ergreifendste Erlebnis dieser Reise zu meiner Familie nach Neuseeland? Für mich war es der Moment, als mein Sohn bei der Ankunft am Flughafen den Arm auf meine Schulter legte und sagte: “Vadder, es ist schön, dass du hier bist.” Diese Erfahrung bestätigt: Man soll auch in einer langen Trennung die Hoffnung auf ein Wiedersehen nie aufgeben.

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