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Architekt erklärt Verzögerungen beim Hallenbau

“So etwas habe ich noch nicht erlebt”

BAD FALLINGBOSTEL - 03. Dezember 2018 - 15:22 UHR - VON DIRK MEYLAND

“So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nicht erlebt” - das stellte Architekt Heiko Jahn (KMS Architekten BDA) in Bezug auf acht Monate Bauverzögerung bei der Sanierung der Sporthalle an der Lieth-Oberschule in Bad Fallingbostel klar. Rund 30 Firmen seien über eine öffentliche Ausschreibung gefunden worden, “aber bei drei Firmen hat es sehr schlecht geklappt”.

Viele private “Häuslebauer” kennen das: Hakt es bei einem Gewerk, herrscht schnell Stillstand, da der Maler nicht vor dem Estrichbauer tätig werden kann. Ähnlich sei es bei der Sporthalle gewesen. In Bad Fallingbostel habe es erstmals beim Dachdecker geknirscht, so Jahn. Das Gewerk habe aufgrund eines zweifelhaften Rufes ohnehin als “Wackelkandidat” gegolten, aber es sei nötig gewesen, beim günstigen Angebot zuzuschlagen. Alleine infolge der Prüfung habe sich eine zehnwöchige Verzögerung ergeben - da seien zahlreiche Firmen, die im Wort standen, schon wieder aus vereinbarten Fristen heraus und auf anderen Baustellen tätig gewesen.

Sorgen habe auch der Trockenbauer bereitet, der Mitte November 2017 hätte starten können. “Aber er hat erst im Januar begonnen”, erläuterte Jahn, “zudem gab es eine sehr schlechte Materialorganisation und -order.” Keiner der Mitarbeiter sei deutschsprachig gewesen, Absprachen hätten kaum getroffen werden können. Verzögerung: weitere acht bis neun Wochen. Gleich mehrere Vor-Ort-Termine mit Architekt, Vertretern von Schule und Landkreis habe der Firmeninhaber fünf Minuten vor Beginn abgesagt, so Jahn; mit Hinweis darauf, dass er noch auf einer Baustelle in München sei.

Den Einbau des Sportbodens bezeichnete Jahn als “besonderes Erlebnis.” Zunächst sei das Material verspätet bestellt worden, dann habe der Hersteller einen Fehler durch eine Doppelorder gemacht - und die Charge an einen anderen Ort geliefert. Verzögerung: noch einmal acht Wochen.

Die Vielzahl an Problemen habe es für Folgegewerke extrem schwer gemacht, verdeutlichte Jahn. Auch die geradezu herausragende Konjunkturlage im Handwerk habe zu den Verzögerungen beigetragen. Hätten früher zehn Elektrik-Unternehmen Angebote abgegeben, sei es heute oft nur noch eines, “manche Firmen können die Aufträge gar nicht mehr abwickeln”.

Jahn erörterte, dass es fast nicht möglich sei, bei künftigen öffentlichen Bauprojekten einen ähnlichen Reinfall zu verhindern. Im Auftrags- und Vergabeverfahren sei klar geregelt, dass grundsätzlich das günstigste Angebot angenommen werden müsse. Entscheide sich der Bauherr für ein anderes Gewerk, müsse dessen Arbeit absolut zuverlässig sein - sonst eröffne dies dem Unternehmen, das trotz besseren Angebots keinen Zuschlag erhielt, die Klagemöglichkeit; mit guten Chancen auf Gewinn.

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