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In der aktuellen Krankenhausdebatte sehen die Sozialdemokraten keine Vorteile für die größte Stadt des Heidekreises

Walsroder SPD lehnt Neubau des Heidekreis-Klinikums ab

WALSRODE - 25. Juni 2018 - 15:01 UHR - VON REDAKTION

Die Aufforderung an die Walsroder Bürger, Meinungen und Fragen zu einem möglichen Neubau des Heidekreis-Klinikums an die SPD zu richten, hat laut SPD-Ortsverein viele Zuschriften und Anrufe nach sich gezogen. Die anschließenden Gespräche und das erste “Walsroder Stadtgespräch” hätten den Meinungsbildungsprozess beim SPD-Ortsverein Walsrode befördert.

In der Walsroder SPD herrsche große Skepsis bezüglich eines zentralen Neubaus. Vorrangig fehlten detaillierte Informationen zu den derzeitigen Finanzproblemen der beiden Häuser. Wo entstehen beispielsweise die Defizite? Mit der vorhandenen “Gerüchtelage” könne man sich kein objektives Bild machen. Momentan seien für die Walsroder SPD-Mitglieder für die größte Kommune im Heidekreis keine konkreten Vorteile erkennbar. “Wir wollen uns gerne überzeugen lassen, aber bisher sind die vermeintlichen Vorteile alles nur Versprechungen”, so der Vorsitzende Heiner Kortmann. “Ich gebe die Meinung eines großen Teils meines Vorstandes und der Fraktion wieder.” Ob sich wirklich die Zuweisungspraktik der ansässigen Ärzteschaft ändere? Könne tatsächlich junger Ärztenachwuchs rekrutiert und gehalten werden, wo es doch sehr wahrscheinlich an zentraler Stelle an attraktiver Infrastruktur, wie weiterführender Schulen, Kunst und Kultur, fehlen werde?

Würden die Bürgerinnen und Bürger von Walsrode und die der südlichen Kommunen sich zukünftig nicht vielleicht mehrheitlich auch weiterhin in andere Kliniken begeben? Würden sich bei einer zusätzlichen Belastung von mindestens 50 Millionen Euro die Prioritäten bei den Investitionen des Landkreises nicht verschieben? Werde nicht der Bau eines (überflüssigen?) Klinikums zu Lasten der dringend notwendigen Investitionen bei Schulen, Straßen, Breitband, Kinderbetreuung gehen? Wie sähen alternative Entwicklungsmöglichkeiten des HKK aus? Sei es zu vertreten, dass in Walsrode als größter Stadt im Heidekreis eine wohnortnahe medizinische 24-Stunden-Versorgung fehlen würde? Der Aussage, ein Neubau auf der grünen Wiese sichere und entwickle neue Arbeitsplätze, könne nicht gefolgt werden.

Die SPD Walsrode befürchte durch die Aufgabe des Krankenhauses den Verlust von 800 Arbeitsplätzen in Walsrode. Warum werde der vor Jahren begonnene Umstrukturierungsprozess nicht weiterverfolgt, obwohl erste Erfolge erkennbar seien? “Waren die jährlichen zehn Millionen Euro Defizitabdeckung durch den Haushalt des Heidekreises im Endergebnis für die Katz?” Wie werde das Vorhaben vom Bund der Steuerzahler beurteilt? Wie sei die Akzptanz in der Bevölkerung? Beton in die Landschaft zu setzen, sei das eine, die Menschen mitzunehmen das alles Entscheidende.

All diese Fragen gelte es noch zu klären, “wobei es ein Blick in die Glaskugel wäre, belastbare Antworten zu finden”, so Kortmann. Die wichtigste Kritik aus Walsrode sei jedoch der Fakt, dass bei einem Zuschuss des Landes von 130 Millionen Euro eine Finanzierungslücke offen bleibe, die dann von den Kommunen im Heidekreis zu stemmen sei. “Warum genau sollten wir Walsroder davon einen Anteil von demnächst 25 Prozent zahlen, wenn wir gleichzeitig unsere Krankenhausversorgung am Ort verlieren?”, fragen sich die SPD-Ortsvereins-Vorstandsmitglieder. Auch nicht auszuschließende spätere Defizite würden zu einem Viertel durch die Walsroderinnen und Walsroder aufzubringen sein. Aus diesen und vielen weiteren Gründen lehne die Walsroder SPD einen Neubau an zentraler Stelle ab.

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